Kunststätte Bossard
Das faszinierende Werk eines Einzelgängers
Die Kunst der 20er-Jahre in Hamburg, die in diesem Frühjahr im Mittelpunkt des interdisziplinären Festivals "Himmel auf Zeit" steht, hat viele Facetten. Eine der eigenartigsten und faszinierendsten Positionen findet man außerhalb der Hansestadt in der Kunststätte Bossard. Als der Künstler Johann Michael Bossard (1874-1950) 1911 ein 30 000 Quadratmeter großes Grundstück bei Jesteburg kaufte, war das eine Lebensentscheidung.
In der Abgeschiedenheit der Lüneburger Heide konnte er in den folgenden Jahrzehnten sein Lebenswerk verwirklichen. Schon früh hatte sich der Künstler, der aus der Schweiz stammte und 1907 einen Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule in Hamburg annahm, für die aus dem 19. Jahrhundert stammende Idee des Gesamtkunstwerks engagiert, zunächst freilich ohne die Chance, sie zu verwirklichen. Was er dann auf seinem Heidegrundstück erst allein und später mit Unterstützung seiner Frau, der Künstlerin Jutta Bossard, schuf, ist einzigartig: Innerhalb eines künstlerisch mit Skulpturen ausgestatteten Gartens befinden sich ein Wohn- und Atelierhaus sowie ein "Kunsttempel" - Gebäude, die von einem enormen Gestaltungswillen zeugen. Keine Fläche, keine Säule, keine Wand, kein Quadratmeter Fußboden sind hier frei geblieben von einer kunsthandwerklichen, malerischen und plastischen Gestaltung, die stilistisch höchst heterogen erscheint, mit der Bossard aber dem umfassenden System seiner philosophischen und religiösen Vorstellungen Ausdruck verlieh.
Bossard war zwar in Hamburg präsent, weil er bis 1944 hier lehrte, er hielt sich aber von der Hamburger Künstlerszene fern. Obwohl er ein Einzelgänger blieb und sich stilistisch kaum einordnen ließ, war er geprägt von den Kunstströmungen seiner Zeit. Das zeigt sich u. a. auch an dem 1926 errichteten Kunsttempel, der ganz sicher zu den künstlerisch beeindruckendsten Bauten der 20er-Jahre im Hamburger Umkreis zählt.
"Begleitend zu 'Himmel auf Zeit' setzen wir in unserer Dauerausstellung neue Akzente. Außerdem beteiligen wir uns mit mehreren Veranstaltungen an diesem Festival, das einen guten Anlass bietet, den Künstler Johann Bossard und sein beeindruckendes Lebenswerk kennenzulernen", sagt Dr. Gudula Mayr, die Leiterin der Kunststätte.
Kunststätte Bossard 21266 Jesteburg, T. 04183/51 12, bis Februar Di-So 10-16, ab März 10-18 Uhr, Infos unter: www.bossard.de



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