Führerschein: In Hamburg gehören die Papierfragebögen der Vergangenheit an
Die Theorie wird nur noch am PC geprüft
Vorteil: schnellere Auswertung der Ergebnisse und deutlich weniger Möglichkeiten für Betrugsversuche.
Hamburg. Der Papierfragebogen hat ausgedient, stattdessen haben PC, Computer und Maus jetzt Einzug gehalten bei der theoretischen Führerscheinprüfung. Am 1. Dezember - und damit bereits einen Monat vorher als ursprünglich geplant - wurde beim TÜV Hanse in Hamburg auf die PC-Prüfung umgestellt. Sie ist ab sofort Pflicht für alle Führerscheinaspiranten. Bis 2010 soll bundesweit nur noch am Bildschirm geprüft werden.
An den sechs TÜV-Standorten war eine Menge Vorbereitung nötig: "Wir haben Anfang des Jahres mit der Planung begonnen", erklärt Hero Wilters, Mitglied der Geschäftsführung. 111 neue Computer wurden angeschafft, die Prüfräume mit einem internen Netzwerk ausgestattet. "Dann haben wir die Papierbögen digitalisiert sowie deren Grafik und das Layout leicht modernisiert", sagt der 44-Jährige. Kosten: etwa 100 000 Euro.
Eine Investition, von der sich die Prüforganisation viele Vorteile verspricht: "Zwar sind die etwa 900 bundesweit geltenden Fragen nach wie vor dieselben", erläutert Wilters. Einzelne Fragen wurden aber ebenso verändert wie die Position einiger richtiger Antworten. Damit soll sturem Auswendiglernen entgegengewirkt werden. Und dem Abschreiben beim Nachbarn. Dennoch gibt es nach wie vor keine hundertprozentige Sicherung gegen Manipulationsversuche. "Auch die andere Seite bleibt am Ball", weiß Wilters zu berichten. Präparierte Bleistifte, Schablonen oder gar einen Knopf im Ohr haben Mitarbeiter des TÜV Hanse schon entdeckt. Und noch eine weitere Maßnahme soll Betrügereien reduzieren: Jedem Führerscheinanwärter wird nun automatisch ein Bildschirmplatz zugewiesen. Wilters: "Dadurch soll verhindert werden, dass Prüflinge, die sich beispielsweise aus der Fahrschule kennen, nebeneinandersitzen." Jetzt klicken sich die Führerscheinanwärter mit einer Maus durch die Prüfungsaufgaben, die auf einem Bildschirm angezeigt werden. Einzelne Bilder können vergrößert werden, um sich Verkehrssituationen besser ansehen zu können. Da das System selbsterklärend ist, sind selbst Prüflinge ohne Computerkenntnisse nicht benachteiligt. Problemlos läuft es an diesem Morgen auch bei den neun Führerscheinanwärtern, die Fahrprüfer Ulf Rickert und sein Kollege Rolf Bolick betreuen. Nach einer kurzen Einweisung beginnen sich die Prüflinge durch die 30 Fragen zu klicken. In großen schwarzen Buchstaben erscheint im oberen Teil die Fragestellung, Bilder oder Zeichnungen darunter skizzieren die Verkehrssituationen näher. Mit fetten Ziffern am Ende des Bildschirms erscheint die Anzahl der Prüfungsfragen. Fragen, die sich nicht sofort beantworten lassen, können mit der Funktion "Markieren" übersprungen werden. Durch einen Klick auf den Button "Abgabe" wird der Fahrschüler vor dem Prüfungsende über die noch unbeantworteten Fragen informiert.
Pascal Topalis (15) ist an diesem Morgen der Schnellste, nach rund zehn Minuten hat er die Fragen beantwortet. Die Ergebnisse landen im Steuerungs-PC der beiden Prüfer und werden sofort ausgewertet. "Früher brauchten wir bis zwei Minuten pro Bogen", sagt Bolick. Bei etwa 20 Prüflingen pro Durchgang nahm das viel Zeit in Anspruch. Um effektiver zu arbeiten, waren immer zwei Prüfer pro Prüfungsdurchgang eingesetzt. Während der eine die Fahrschüler beaufsichtigte, begann der andere schon mit der Auswertung. Nach Beendigung der Einführungsphase wird diese Aufgabe nur noch ein Prüfer übernehmen.
"Glückwunsch!" Pascal Topalis hat den theoretischen Teil der Prüfbescheinigung für das Fahren von Mofas mit null Fehlern bestanden. "Ich habe vorher viel geübt", verrät der Schüler aus Rahlstedt. Drei Tage lang habe er sich je eineinhalb Stunden vorbereitet mit Papierbögen. Die Umstellung auf das Arbeiten am Computer habe ihn anfangs zwar etwas verunsichert, im Nachhinein findet er die digitale Variante aber besser. "So konnte ich auch keine Aufgabe übersehen", sagt er.
Noch verwendet der überwiegende Teil der Hamburger Fahrschulen in seinen Vorprüfungen Prüfungsbögen aus Papier. "Das wird sich im Laufe des kommenden Jahres Schritt für Schritt ändern", verspricht Hero Wilters. Eine weitere Neuerung gibt es auch beim TÜV Hanse in etwa einem halben Jahr: Dann werden die Computer durch Screenplays mit Touchscreen ersetzt.
Die Theorieprüfung kann man beim TÜV Hanse an jedem Werktag an mindestens einem der sechs Standorte absolvieren, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Um Wartezeiten zu verkürzen, soll aber im Frühjahr ein Anmeldeverfahren übers Internet eingeführt werden. Jeweils vormittags ab sieben Uhr und nachmittags ab 14 Uhr beginnen die maximal 45-minütigen Prüfungen. Jede volle Stunde startet ein neuer Durchgang. Kleiner Wermutstropfen: Durch den Wechsel vom Papierbogen zum PC steigen auch die Gebühren. Statt 11,07 Euro werden nun 20,83 Euro berechnet.












