Mit Leidenschaft und Ladedruck
Porsche: Turbo seit 30 Jahren setzt das Coupe die Meßlatte für Sportwagen. Im Juni startet die sechste Generation der Zuffenhausener Modell-Ikone. Die Preise beginnen bei 133 603 Euro.
Jerez. Treten Sie das Gaspedal durch, und Sie werden dem Gefühl nahe kommen, in einem Eurofighter zu starten." Was Vertriebsvorstand Hans Riedel derart beschreibt, ist das Beschleunigungserlebnis im neuen Porsche 911 Turbo. Im Juni steht die sechste Generation des Schwabenpfeils am Start. Leichter, weil von Ballast befreit. Stärker, weil das der Tradition des Hauses entspricht. Sicherer, weil die Elektronik zunehmend in der Lage ist, Schwächen menschlichen Fehlverhaltens hinterm Lenkrad zu kompensieren.
An diesem Coupe fasziniert vieles. Die ungeheure, dabei mühelose und genau dosierbare Kraftentfaltung vom Anfahren bis zur Tempospitze von 310 km/h zum Beispiel. Die Straßenlage, die das Durcheilen von Kurven zum Vergnügen werden läßt. Die zupackende Art der Bremsen, die nach einiger Zeit dazu verführt, immer noch ein wenig länger auf dem Gaspedal zu bleiben. Oder auch die sonore, aber niemals aufdringliche Begleitmusik aus der doppelten Auspuffanlage.
Handgeschaltet benötigt der neue Turbo bis zum Erreichen der Tempo-100-Marke nur 3,9 Sekunden. Das Tiptronic-Automatikgetriebe, das neu abgestimmt wurde, absolviert die Übung sogar zwei Zehntelsekunden schneller. Nach wenig mehr als zwölf Sekunden zeigt der Tacho schon 200 km/h an. Seine ausgeprägte Spurtfreude verdankt der Wagen dem erneuten Kraftzuwachs seines Boxermotors, der es künftig auf 480 PS (vorher 420 PS) bringt, sowie einer neu entwickelten Ladertechnologie. Durch den Einsatz von zwei Turboladern mit verstellbaren Schaufeln wird in jedem Drehzahlbereich eine optimale Zylinderfüllung erreicht. Das maximale Drehmoment liegt bei 620 Newtonmeter, mit Hilfe einer "Overboost"-Funktion des Sportpaketes sogar bei 680 Nm - wenn es beim Beschleunigen immer noch ein wenig mehr sein soll. Vergeblich müht sich die liebe Konkurrenz in dieser Disziplin mitzuhalten - auch wenn die Sportabteilungen von BMW und Mercedes inzwischen Mobile auf die Straße bringen, die im Kfz-Schein mit Leistungen von mehr als 500 PS aufwarten. Porsche-Werksfahrer und Ex-Rallyeweltmeister Walter Röhrl hat den Turbo auf der Nordschleife des Nürburgrings ausprobiert - und nur sieben Minuten und 49 Sekunden für die Runde benötigt. Porsche-Manager Riedel: "Damit schlägt der Turbo auch sämtliche Sportwagen aus der Region südlich der Alpen."
Auf die Straße bringt der Turbo seine Kräfte mit Hilfe eines ausgeklügelten Allradsystems. Die Fahrwerkselektronik wurde mit einer neuen Lamellenkupplung vernetzt. Dominiert im normalen Fahrbetrieb weitgehend der Heckantrieb, kann bei plötzlich auftretendem Schlupf in Millisekunden Motorkraft an die Vorderräder geleitet werden. In der Praxis bedeutet das viel Traktion und Fahrsicherheit bei hohem Tempo, aber auch bei regennasser oder schneebedeckter Straße.
Bei Porsche fast schon eine Selbstverständlichkeit: Mit dem Leistungszuwachs des Motors geht auch wieder eine Steigerung der Bremskraft einher. Größere Scheiben sorgen für einen noch kürzeren Anhalteweg. Und wer rund 8500 Euro drauflegt, erhält die noch stärker zupackenden und ausdauernderen Keramik-Bremsscheiben.
Äußerlich gibt sich der Turbo dezenter als manches Vorgängermodell, obwohl das Heck noch einmal um 22 Millimeter an Breite zugelegt hat. Weniger dominant als in früheren Jahren ist der traditionelle Spoiler, der sich ab Tempo 120 um einige Zentimeter hebt und für zusätzlichen Anpreßdruck auf der Hinterachse sorgt. Und weil der Motor mit reichlich Luft zum Atmen und zur Kühlung versorgt werden will, gibt es große Einlässe (mit integrierten LED-Blinkleuchten) in der Front und seitliche Schlitze hinter den Türen. Die übrigens sind wie die Fronthaube jetzt aus Aluminium gefertigt. Um 14 Kilo konnte das Fahrzeuggewicht dadurch reduziert werden.
Eines ist den Porsche-Ingenieuren leider nicht gelungen: unter dem Blechkleid zusätzliche Freiräume für den Tank zu finden. 67 Liter sind wenig, wenn man bedenkt, daß der angegebene Mix-Verbrauch von 12,8 Liter Super Plus (13,6 für Tiptronic S) bei diesem Auto nur theoretisch gilt. So muß der Turbo-Pilot häufiger eine Tankstelle heimsuchen - dafür künftig aber seltener seine Werkstatt: Die Wartungsintervalle wurden auf 30 000 Kilometer verlängert.
Damit sich kein Unbefugter an dem Gefährt vergreift, ist eine Alarmanlage serienmäßig - bei 133 603 Euro Grundpreis darf man das erwarten. Weitere Finessen kosten extra: Auf insgesamt 26 Seiten reihen sich in der Preisliste die Optionen aneinander. Darunter findet man dann auch lederne Sonnenblenden für 388,60 Euro und Einstiegsblenden aus Carbon für 510,40 Euro.



100. Geburtstag
Axel Springer
Branchenbuch Hamburg



Das Rätsel des Tages



