Theorie: Prüfung soll am Computer abgelegt werden. Videos und Simulationen: Der PC bietet neue Möglichkeiten. Mit der Technik könnten sich auch Fragen ändern.
Berlin/Köln. Sie sind echte Klassiker, werden aber von niemandem wirklich geschätzt: die Bögen mit den Fragen der theoretischen Führerscheinprüfung. Bald allerdings dürften sie ausgedient haben, denn das Verfahren der theoretischen Prüfung soll umgestellt werden. Statt Papierbögen sollen dann Computer zum Einsatz kommen. "Die Zukunft wird in Richtung PC laufen", ist sich Verkehrspädagoge Kay Schulte vom Deutschen Verkehrsicherheitsrat sicher.
Um das Beantworten kniffliger Fragen werden die Prüflinge zwar auch dann nicht herumkommen. Ein Teil der Fragen wird jedoch wahrscheinlich den neuen Möglichkeiten angepaßt - dadurch könnten auch Videos Teil der theoretischen Prüfung werden. Schon jetzt werden an verschiedenen Stationen Computer als freiwillige Alternative für die Prüfung eingesetzt. Fachleute gehen davon aus, daß der PC etwa um das Jahr 2010 komplett die bekannten Fragebögen ersetzt.
Noch hat sich bis auf den Wechsel von Papier und Stift auf Monitor und Tastatur wenig geändert. "Die Fragen der Papierbögen wurden eins zu eins auf dem PC übernommen", erklärt Gerd Mylius vom TÜV Rheinland. Immerhin werden die Fragen in den jeweiligen Themenbereichen für jede Prüfung vom Rechner neu gemischt. Um den angehenden Autofahrern den Umstieg auf die Elektronik schmackhaft zu machen, hat man sich in einigen der ersten digitalen Prüfzentren sogar besondere Extras einfallen lasse. "Es gibt bei uns derzeit eine Bonusregelung: Wer am PC durchfällt, kann die Prüfung gleich danach noch einmal mit dem herkömmlichen Prüfungsbogen wiederholen", sagt Wilhelm Petzholtz vom Dekra Technology Center in Klettwitz (Brandenburg). Bei der Wiederholung zeige sich jedoch durchweg, daß nicht der ungewohnte Computer, sondern mangelhaftes Lernen der Grund für das Versagen ist.
Der Einsatz der Rechner hat derzeit aber nicht allein den Sinn, die Schüler mit der neuen Möglichkeit in Kontakt zu bringen. Dahinter steckt vielmehr eine geplante Überarbeitung des Fragenkataloges für das neue Medium. "Ein Ziel ist, daß man auf diesem Weg die Fragen und deren Beantwortung besser analysieren kann", so Petzholtz. Die Analyse der ersten Testphase wird noch in diesem Jahr erfolgen. "Zu diesem Zweck sollen 30 000 Prüfungen abgearbeitet werden."
Eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) wird diese Aufgabe übernehmen, und zwar mit zwei Zielen: mögliche Mißverständnisse bei Fragen auszuschließen und neue Inhalte für die Prüfung zu entwickeln. Gerade bestimmte Begriffe führen teils zu falschen Interpretationen und damit zu falschen Antworten. "Es wurde zum Beispiel festgestellt, daß der Begriff ,gewölbte Fahrbahn' für Mißverständnisse sorgen kann", so Gerd Mylius. Während der eine Prüfling sich dabei eine nach oben gewölbte Fahrbahn vorstelle, sehe der andere eine eher eingedellte Strecke vor seinem geistigen Auge. Auch mit dem Begriff "veräußern" hatte mancher Prüfling Probleme.
Das Auffinden solcher Fallen in den Prüfungen ist nach Ansicht der Experten über die Auswertung der Computerdaten wesentlich einfacher, als wenn Berge von Prüfungsbögen durchgeschaut werden müßten. Aber die Aufklärung dieser tückischen Stellen ist eben nur ein Ziel der Arbeit an einer theoretischen Prüfung für die Zukunft. "Insgesamt werden etwa 80 Prozent der bisherigen Fragen übernommen, für den restlichen Teil werden neue Fragentypen entwickelt", sagt Peter Glowalla, erster stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.
Diese neuen Fragetypen werden dann kaum mehr etwas mit dem zu tun haben, was bisher aus der theoretischen Prüfung bekannt ist. Dahinter steckt aber nicht allein die Freude an der Nutzung der technischen Möglichkeiten eines Computers. Vielmehr sollen die Prüflinge sich so das Gelernte besser merken können - und am Ende möglicherweise auch Unfälle verhindert werden. Bisher gibt es laut Gerd Mylius ein Problem: "Das Wissen geht recht schnell wieder verloren."
Die angedachten Videos dagegen sollen sich zusammen mit der richtigen Handlung besser einprägen. Als Beispiel wird ein Film genannt, der ein fahrendes Auto zeigt. Am Bildrand taucht eine Frau mit Kinderwagen auf, die plötzlich auf die Straße tritt. Der Prüfling muß nun sagen, was zu tun ist. "Man könnte auch eine 30 Sekunden lange Fahrt auf einer Landstraße zeigen, bei der am Straßenrand ein Schild mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung bei Nässe zu sehen ist. Am Ende folgt eine scharfe Kurve. Zu beantworten wäre dann, mit welcher Geschwindigkeit die Kurve durchfahren werden sollte", sagt Glowalla. Bis Ende 2006 soll ein Prototyp des neuen Fragenkatalogs entstehen.









