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Auto & Motor

Aufhören zum richtigen Zeitpunkt

Führerschein: Im Alter nehmen die Fahrfehler zu. Bei einem freiwilligen Fitness-Check werden Reaktionsfähigkeit und Sehvermögen getestet.

Hamburg. Das eigene Fahrzeug stehenlassen oder gar den Führerschein abgeben - dieser Schritt ist für viele Senioren mit großen Ängsten verbunden. Doch wenn sich kleine Fahrfehler häufen, ist es Zeit für eine ehrliche Selbsteinschätzung. Manchmal gelingt dies nur mit Unterstützung von Angehörigen. Diese sollten dann aber auch helfen, praktische Alternativen zur Mobilität mit dem eigenen Auto zu entwickeln.

"In Deutschland gibt es keine vorgeschriebenen Altersgrenzen, ab wann jemand kein Kraftfahrzeug mehr führen darf", erläutert Verkehrspsychologe Adalbert Allhoff-Cramer. Deshalb müsse jeder ältere Fahrer den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören selbst bestimmen. "Die meisten Senioren fahren sehr gewissenhaft und umsichtig", betont Gerhard von Bressensdorf von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Im Verhältnis zu anderen Altersgruppen sind ältere Kraftfahrer nicht übermäßig häufig an Verkehrsunfällen beteiligt, im Gegenteil: Ende 2003 betrug der Anteil der Menschen ab 65 Jahre an der Gesamtbevölkerung rund 18 Prozent, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Nur in zehn Prozent der Unfälle mit Personenschäden waren Senioren die Hauptverursacher.

Doch nicht jede Verkehrssituation läßt sich alleine meistern. "Ältere Menschen reagieren langsamer. Sie brauchen mehr Zeit, um sich auf Situationen einzustellen", warnt Andreas Bergmeier vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. "Wenn ein älterer Kraftfahrer unter Zeitdruck ist, macht er leicht Fehler." Besonders in komplexen Situationen wie Linksabbiegen an Kreuzungen kann dies zum Problem werden. Zu verminderter Reaktionsfähigkeit, Konzentrationsschwächen und Überforderung kommen oft Wahrnehmungsprobleme: Anfahr- und Bremsgeräusche werden weniger gut erkannt. Die Anpassung des Auges von Hell auf Dunkel und umgekehrt dauert länger, so daß entgegenkommende Scheinwerfer schnell blenden.

Diesen altersbedingten Einschränkungen der Fahrfähigkeit steht die praktische Notwendigkeit des Autofahrens gegenüber - für den Arzttermin, den Verwandtenbesuch oder den Einkauf. "Der Verzicht auf das Autofahren ist eine erhebliche Einschränkung der eigenen Mobilität, der gesellschaftlichen Teilhabe und damit der Lebensqualität." Entsprechend schwer fällt den meisten Senioren der Abschied vom Auto. "Der normale Ablauf ist, daß sich Autofahrer im Laufe der Jahre schrittweise selbst einschränken, in dem sie beispielsweise nicht mehr bei Dunkelheit oder keine unbekannten Strecken mehr fahren", sagt Verkehrspsychologe Allhoff-Cramer.

Irgendwann allerdings reicht das jedoch nicht mehr aus. "Deutliche Warnzeichen sind Fahrfehler - zum Beispiel wenn jemand gegen eine Bordsteinkante fährt oder auf- statt abblendet." Treten solche Fehler vermehrt auf, gefährdet der Autofahrer damit sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer.

"Das Problem ist häufig eine große Diskrepanz zwischen der Selbsteinschätzung und dem tatsächlichen Fahrvermögen", betont Wolfgang Schubert, Verkehrspsychologe der Dekra. Deshalb sind Freunde und Verwandte gefordert: Sie müssen spätestens bei gehäuften Fahrfehlern die aktive Teilnahme am Straßenverkehr thematisieren. Auch der Hausarzt ist gefordert. "Er stellt für viele ältere Menschen eine Autorität dar und hat entsprechende Einflußmöglichkeiten."

Die Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF) bieten freiwillige medizinisch-psychologische Untersuchungen (MPU) - mancherorts auch Senioren- oder Fitness-Check genannt, an. Die Anbieter solcher Tests können bei Führerscheinbehörden, technischen Prüfstellen, Dekra oder TÜV erfragt werden. "Hier werden unter anderem Sehvermögen, Belastbarkeit oder Reaktionsfähigkeit getestet sowie eine Autofahrt mit einem Verkehrspsychologen unternommen", sagt Dekra-Experte Schubert. Die Behörden erfahren davon nichts, so daß kein Teilnehmer Angst haben muß, durch den Test seinen Führerschein zu riskieren.

Lautet die Empfehlung der Experten, das Auto künftig stehenzulassen, seien praktische Lösungsvorschläge von Freunden und Verwandten hilfreich, sagt Ursula Lenz. Gibt es die Möglichkeit, mit einem Nachbarn zusammen zum Großeinkauf zu fahren? Ist jemand in der Umgebung bereit, Besorgungen mit zu erledigen? Manch ein Weg kann künftig mit einem Taxi bewältigt werden. Das ist nur auf den ersten Blick eine kostspielige Variante, denn mit dem Auto fallen auch umfangreiche Unterhaltskosten weg. "Hier kann eine detaillierte Aufrechnung sehr überzeugend wirken", betont Dekra-Experte Schubert. Zudem ist manch ein Taxiunternehmen bereit, mit regelmäßigen Stammkunden Pauschalen zu vereinbaren.gms

 

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