Genfer Autosalon zeigt einen Trend zu flexiblen Kleinwagen für weniger als 10 000 Euro auf.
Genf/Hamburg. Die Trends in der Autobranche wechseln häufig: Crossover, Retro-Design, Nischenmodelle - ständig lassen sich die Hersteller etwas Neues einfallen. Doch was gestern die Fachwelt noch aufgeregt diskutieren und die Käufer zu den Händlern pilgern ließ, kann morgen schon wieder in Vergessenheit geraten sein. Manche Trends verkehren sich mit der Zeit sogar ins Gegenteil: Waren beispielsweise bis vor kurzem vor allem Luxus und Premium-Elemente angesagt, so setzen viele Pkw-Hersteller inzwischen wieder auf praktische, solide und vor allem günstige Stadtautos. Ein Trend, der auch auf dem morgen beginnenden Genfer Automobilsalon deutlich wird.
Allen voran zeigt im Kleinwagensegment das Herstellerkonsortium Peugeot, Citroëën und Toyota Flagge und stellt auf der Messe die gemeinsam entwickelten Kleinstwagen 107, C1 und Aygo vor. Die "Drillinge" stehen auf einer einheitlichen Plattform mit 3,40 Metern Länge. Zwar sind auch etliche technische Komponenten identisch, das Design orientiert sich jedoch an der Formgebung der jeweiligen Marke. Entworfen wurden die Fahrzeuge für den Einsatz in einem "urbanen Umfeld". Als Antrieb dienen Benzin- und Dieselmotoren mit 1,0 und 1,4 Litern Hubraum. Die Preise sollen bei allen drei Marken unterhalb von 9000 Euro und damit unter dem Preis der bisherigen Einstiegsmodelle liegen. Ein 1,0-Liter-Vierzylinder mit 66 PS ist auch im neuen Matiz zu finden, den die General-Motors-Marke Chevrolet in Genf zeigt. Alternativ gibt es für den 3,50 Meter langen Viertürer einen Dreizylinder mit 0,8 Litern Hubraum und 52 PS. Änderungen am Design der Frontpartie sind die auffälligsten Unterschiede zum Vorgänger.
Erstmals in Europa stellt Subaru in Genf das Stadtauto R1 vor. Der 2+2-Sitzer wird in Japan bereits verkauft. Ein Verkauf in Europa ist noch nicht beschlossen, aber möglich. Der Wagen besitzt einen 0,6-Liter-Vierzylinder und verfügt über einen flexiblen Fond. Dieser kann Platz für zwei Insassen bieten oder als Gepäckraum genutzt werden.
Wie es bei Renault unterhalb des Clio weitergehen könnte, deutet der Hersteller in Genf mit seiner aktuellen Studie Zoee an. Maximal drei Personen finden darin Platz, der Kofferraum beginnt schon hinter dem Fahrersitz. Laut Renault erfüllt der Zweitürer mit seinem Platzangebot exakt die Ansprüche an ein Stadtauto der Zukunft: Innerorts würden im Durchschnitt ohnehin nur 1,4 Personen transportiert. Reine Zweisitzer lehnten die meisten Kunden jedoch ab, weil sie diese als unpraktisch empfinden. Bei Volkswagen sucht man in Genf noch vergebens nach einem Konkurrenzmodell. Europas größter Autobauer will seinen in Brasilien montierten Fox erst auf der Automesse AMI im April in Leipzig vorstellen. Er kommt aber schon im Frühjahr auf den Markt.
Für reichlich Konkurrenz dürfte in Zukunft bei den Stadtflitzern also gesorgt sein. Citroëën rechnet damit, daß in Europa die Nachfrage nach kleinen Einstiegsmodellen wachsen wird. Peugeot geht von einem Wachstum des Kleinwagenmarktes in den kommenden zehn Jahren von 17 Prozent aus. Auch Nick Margetts vom Marktforschungsunternehmen Jato Dynamics erwartet einen Boom bei Kleinstwagen: Schon heute gebe es in Deutschland mehr als 60 Modelle unterhalb des sogenannten B-Segments, zu dem etwa Autos wie der VW Polo und der Opel Corsa zählen.
Gründe für die Zuwächse bei den Fahrzeugen mit Preisen um die 10 000 Euro und niedriger sieht der Branchenbeobachter vor allem darin, daß Autofahrer lieber einen günstigen Neuwagen mit Zweijahresgarantie fahren als einen Gebrauchten auf Risiko. Diese Einschätzung deckt sich mit der Strategie von Peugeot, Citroëën und Toyota, die mit ihren Kleinstwagen vor allem auf Käufer zielen, die sich bislang für einen Gebrauchten statt einem teureren Neuwagen interessiert haben.
Eine weitere Erklärung für den Boom ist laut Nick Margetts, daß Fahrzeuge im B-Segment heute immer größer und teurer werden. "Damit ist das B-Segment als Einstiegsfahrzeug ein Auslaufmodell. Es muß ganz unten für Nachschub gesorgt werden", sagt der Autoexperte. Kleinstwagen-Interessenten sollten vor dem Kauf genau hinschauen: Laut Margetts gibt es "enorme Ausstattungsunterschiede", zudem sei die Ausstattung mit Sicherheitstechnik eher "«dürftig". Insbesondere Seiten- und Kopf-Airbags fehlten größtenteils, ebenso moderne Stabilitätssysteme. "Komfortausstattung wird auch kleingeschrieben, sogar bei Selbstverständlichkeiten wie Servolenkung oder ABS gibt es keinen durchgehenden Serieneinbau."



