Genfer Autosalon: Luxus- und Sportwagenhersteller haben wenig Grund zum Klagen
Wenn Geld keine Rolle spielt
Aston Martin beispielsweise bietet einen Zwölfzylinder-Renner für 1,4 Millionen Euro an. Und will demnächst auch wieder exklusive Fahrzeuge unter dem Namen Lagonda auf den Markt bringen.
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Genf. Krise? Welche Krise? Mögen die Großserienhersteller auch unter der Kaufzurückhaltung stöhnen und um ihre Existenz bangen - im automobilen Oberhaus hält sich das Wehklagen in engen Grenzen. Natürlich sind die Bonuszahlungen der Besserverdiener in diesem Jahr ein wenig kleiner ausgefallen, manches Depot hat arg gelitten und die Immobilienpreise liegen am Boden. "Einige Kunden, die sich auch heute problemlos ein teures Auto leisten könnten, halten sich zurück, weil es nicht zum Geist der Zeit passt", hat Daimler-Chef Dieter Zetsche in den vergangenen Monaten beobachtet.
Doch gibt es offenbar noch immer so viele wohlsituierte PS-Fanatiker, dass sich Sportwagenschmieden wie Lamborghini, Ferrari oder Aston Martin ebenso wenig ernsthafte Sorgen machen müssen wie die Luxushersteller Rolls-Royce, Bentley oder Maybach. Natürlich kämpfen auch sie ein wenig mit verarmtem Adel und bankrotten Bankern, dennoch rollen die Luxusmarken zum Genfer Salon eine ganze Flotte von Neuheiten ins Rampenlicht.
Obwohl es auf der Dachterrasse des automobilen Oberhauses schon ein wenig voll ist, drängt nun sogar noch ein neuer Hersteller in das Segment: Um der Kundschaft nicht nur Leistung, sondern auch Luxus verkaufen zu können, hat Aston Martin die seit 20 Jahren schlummernde Tochter Lagonda reanimiert. In drei Jahren soll unter den Schwingen ihres geflügelten Logos ein prunkvoller Koloss für 150 000 bis 200 000 Euro anrollen, der die Lücke zwischen feudalen Limousinen und übermotorisierten Geländewagen schließt. Mit unkonventionellem Design und reichlich Exklusivität. Schließlich plant Aston-Martin-Chef Ulrich Bez mit etwa 5000 Fahrzeugen im Jahr, die er auf Basis des Mercedes GL fertigen will. Dabei bekommt das Top-Modell den gut 600 PS starken Zwölfzylinder aus den Sportwagen. Doch für "sensiblere Märkte" kann er sich aus der Kooperation mit Mercedes auch einen V8-Diesel oder einen modernen Hybridantrieb vorstellen.
Dass dieses Auto vollkommen im Gegensatz zu allen aktuellen Trends von Sparsamkeit und Bescheidenheit steht, ficht Bez nicht an: "Die Massenmotorisierung wird sich in den nächsten Jahren zwar gravierend ändern", räumt der frühere Entwicklungschef von Porsche ein. "Doch Luxus wird es immer geben", ist er überzeugt. Selbst die aktuelle Wirtschafts- und Absatzkrise lässt ihn kalt. "Am Ende wird die Autoindustrie daraus gestärkt hervorgehen", glaubt er und tut so, als zögen allenfalls ein paar dunkle Wolken über den Schönwetterhimmel.
Daran glauben neben den Herstellern von Luxuslimousinen offenbar auch die Sportwagenschmieden, die in Genf deshalb einmal mehr auf die Überholspur stürmen. Zwar laufen die Bänder auch bei Ferrari oder Lamborghini derzeit etwas langsamer, doch sollen ein stetiger Fluss von Neuheiten und limitierte Stückzahlen die Begehrlichkeit auf hohem Niveau halten.
Deshalb steht bei Lamborghini der neue Murcielago "SuperVeloce", der noch aggressiver gezeichnet, 100 Kilogramm abgespeckt und obendrein auf 670 PS gebracht wurde. So steigt das Spitzentempo auf 342 km/h. Und obwohl damit auch der Preis auf 357 000 Euro klettert, scheint die Rechnung aufzugehen: Von den 350 geplanten Autos sind die ersten 100 bereits bestellt.
Noch kleiner ist die Stückzahl für den Aston Martin One-77: Der neue V12-Renner mit dem brachialen Design leistet 730 PS, ist einem Le-Mans-Boliden näher als einem Serienauto, schießt in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht mehr als 320 km/h Höchstgeschwindigkeit. Dass dieses Vergnügen seinen speziellen Preis hat, versteht sich fast schon von selbst - aber was sind schon 1,4 Millionen Euro, wenn man einer von nur 77 Kunden ist?
Auch Ferrari spielt mit dem Reiz der kleinen Zahl und hat auf dem Genfer Salon dafür den F599XX enthüllt. Die Rundstreckenversion des Fiorano bekommt einen auf 700 PS erstarkten V12-Motor mit sechs Litern Hubraum, allerlei Anbauteile aus Carbon und ein rennstreckentaugliches Fahrwerk. Der Preis steht noch nicht fest, und auch auf die genaue Stückzahl wollen sich die Italiener bislang nicht festlegen. Aber egal wie wenig Autos gebaut werden, auf der Straße sieht man den Boliden ohnehin nie: Dafür fehlt im als Rennwagen schlicht die Zulassung.
Das exklusivste Modell des Genfer Salons kommt von Bugatti. Denn zum 100. Geburtstag der Marke hat die noble Volkswagen-Tochter den Veyron für einen Nettopreis von 1,35 Millionen Euro in der aufwendig lackierten Sonderedition "Blue Centenaire" aufgelegt. "Dieses Auto bauen wir in der kleinsten Kleinserie der Welt", formuliert Firmenchef Franz-Josef Paefgen. Mehr als dieses eine Exemplar wird es nämlich nicht geben.




100. Geburtstag
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