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Auto & Motor

Jubiläum: Seit 40 Jahren gibt es die Spielzeugautos "Hot Wheels"

Auf heißen Rädern durchs Zimmer

Mehr als drei Milliarden Exemplare wurden vom begehrten Sammlerobjekt schon produziert.

Frankfurt. Geht es nach der Firma Mattel, dann muss die Statistik der automobilen Welt neu geschrieben werden. Denn nicht General Motors oder Toyota sind die größten Autohersteller der Welt. Ganz ohne Zweifel gebührt der Titel aus Sicht des amerikanischen Spielzeugriesen der Tochtermarke Hot Wheels: Schließlich läuft in deren Fabriken alle sieben Sekunden ein neues Auto vom Band. Und das nun schon seit 40 Jahren. Damit kamen die Amerikaner bereits im Oktober 2002 auf eine Gesamtproduktion von mehr als drei Milliarden Fahrzeuge und haben viel mehr Autos gefertigt, als die "Big Three" in Detroit zusammen.

Für die meisten Kinder sind sie nicht mehr als ein billiges Spielzeug, das mit Hilfe der Schwerkraft über wilden Plastik-Rennbahnen quer durch jugendliche Wohnlandschaften jagt oder bei Offroad-Abenteuern im Sandkasten zerschlissen wird. Aber für Tausende von Erwachsenen sind die nicht einmal zwei Euro teuren Modellautos von "Hot Wheels" begehrte Sammlerobjekte, mit denen sie die Wände ihrer Büros pflastern oder ganze Hobbyräume voll stellen.

Begonnen hat die Geschichte allerdings mit einer Enttäuschung. Denn irgendwann beim Spiel mit seinen Enkeln war Mattel- Gründer Elliott Handler derart enttäuscht von der miesen Qualität anderer Modellautos, dass er kurzerhand die Produktion eigener Fahrzeuge auf den Weg brachte. Dafür wirbt er bei der US-Marine als Entwicklungschef den Raketentechniker Jack Ryan ab, der zuallererst neue Achsen und Räder entwirft, mit denen Modellautos erstmals auf hohe Geschwindigkeiten kommen. Außerdem holt Ryan den Chevrolet-Designer Harry Bradley ins Boot, der sich von der Hotrod-Szene im Süden Kaliforniens inspirieren lässt und entsprechend Modelle mit entsprechend "Heißen Reifen" entwirft. Neben dem neuartigen Fahrwerk mit minimaler Reibung glänzen sie auch mit einer aufwändigen Lackierung, die jedes Modellauto zum Blickfang macht. Am Anfang stehen dabei 16 Modelle, von denen ein getunter Chevrolet Camaro der allererste war. Mit im Premierenprogramm allerdings standen auch Corvette und Mustang, Firebird und Eldorado – und sogar ein VW Käfer.

Aus den 16 Modellen des ersten Jahres sind mittlerweile mehr als 800 Fahrzeuge geworden, die in über 11 000 Varianten aufgelegt wurden. Entsprechend groß ist die Fangemeinde der kleinen Renner: Mehr als 15 Millionen Jungs zwischen drei und zehn Jahren gelten beim Hersteller als Sammler, weil sie über 50 Autos besitzen. Und 40 Millionen Erwachsene haben mit Hot Wheels das Fahren gelernt, glaubt man bei Mattel.

Dabei hat sich Hot Wheels in den letzten vier Jahrzehnten zu einer ganzen Markenwelt entwickelt. "Was mit 16 Modellen im Maßstab 1:64 begonnen hat, ist heute eine Marke für alles was fährt, schwimmt und fliegt", heißt es beim Hersteller. Und die Straßen dafür liefern die Amerikaner gleich mit. Schließlich gibt es entsprechende Plastikschienen, aus denen die Kids ihre Rennbahnen bauen. Anfangs genügte dabei die Schwerkraft als Antrieb, und die Autos wurden einfach an der Schreibtischkante gestartet. Doch heute gibt es Komplettsysteme in Form wilder Schlangen oder böser Drachen, in denen die Autos mit elektrisch angetriebenen Gummiwalzen in Fahrt gebracht werden.

Hot-Wheels-Sammler brauchen kein großes Budget: Die "heißen Reifen" gibt’s laut Guido Nordloh aus Detmold, der die Szene seit Jahren studiert, in der Regel für Preise zwischen 0,99 und 1,39 Euro. Und auch Raritäten bleiben bezahlbar: "In den USA erzielen Sammlerstücke schon mal Preise über 1000 Dollar", berichtet er vom völlig überheizten Heimatmarkt. Das teuerste je gehandelte Modell ist dort ein pinkfarbener VW "Beach Bomb" von 1969, für den ein Sammler rund 72 000 Dollar überwiesen hat. "Aber bei uns hat kaum je einer mehr als einen dreistelligen Betrag für ein Auto bezahlt", rückt Nordloh die deutsche Sammlerwelt zurecht. Angesichts dieser Preise nehmen Sammlungen schnell große Ausmaße an: "Wer alle Neuheiten eines Jahres haben möchte, muss mit 200 bis 300 Autos kalkulieren. Nimmt man die Farbvarianten hinzu, ist man schon bei 500 bis 600 Fahrzeugen", sagt Nordloh, der selbst rund 5000 Modelle in der Vitrine hat.

Diese Sammelleidenschaft könnte bald noch einmal angefacht werden. Denn wenn die Miniaturen im Maßstab 1:64 jetzt Geburtstag feiern, wird sich der Spielwarengigant bei der Fangemeinde mit einer ganz besondern Serie bedanken: Erstmals hat man Designer aus der Autoindustrie um eigene Entwürfe gebeten. "Das ist das erste Mal in der Geschichte der Hot Wheels, dass wir uns außerhalb des Unternehmens nach neuen Formen umgeschaut haben", sagt der Vorstand Geoff Walker. "Und wer wäre dafür besser geeignet als unsere Partner in der Autoindustrie, die seit 40 Jahren Teil der Hot-Wheel-Geschichte sind?"

Diese Herausforderung angenommen haben unter anderem Ford, General Motors, Honda, Lotus oder Mitsubishi, wo zum Teil abenteuerliche Sportflitzer entstanden sind. Aus den Designstudios der Chrysler Group kommt der Dodge XP-7, der wie eine Viper nach der Fahrt durch die Zeitmaschine aussieht. "Für uns war es ein Traum", sagt Russel Carr vom Lotus-Designteam, das für die Jubiläumsserie eine futuristische Version der Elise beisteuert. "Viele von uns sind mit Hot Wheels groß geworden. Diese Modelle waren es, die unsere Faszination und Leidenschaft für das Auto geweckt haben."

 

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