02.08.06

Turbolader: Reparaturen oft teuer

Technik: Wenn die Leistung plötzlich fehlt. 300 000 Touren und 600 Grad: Die Turbine muss extrem hohe Belastungen aushalten. Regelmäßige Kontrollen beugen Schäden vor.

Von Felix Rehwald

Hamburg. Die Autobahnfahrt nimmt ein jähes Ende: Beim Beschleunigen ist ein lautes "Plopp" zu vernehmen - und der Turbodiesel hat schlagartig keine Leistung mehr. Diagnose des Pannendienstes: gelöste Schlauchverbindung zwischen Turbolader und Ladeluftkühler.

"So etwas führt zu rapidem Druckabfall", erklärt Magnus Geisler, Experte am ADAC-Technikzentrum. "Der Motor erhält nicht mehr genug Luft und kann seine Leistung nicht bringen." Diese Fälle gehören in der ADAC-Pannenstatistik bei Turbomodellen zu den häufigsten Mängeln. Ursache sind laut Geisler oft Montagefehler. Zwar ist dieser Werkstattpfusch für den Autofahrer ärgerlich, stellt aber keine größere Gefahr dar. Denn die Elektronik schaltet sofort auf Notprogramm.

Weitaus kritischer sind Schäden am Turbolader selbst. Zum Beispiel kann, so Geisler, ein Lager Schaden nehmen, sodass sich der Lader nicht mehr schnell genug dreht. Ebenfalls möglich ist, dass der Motor bei Lecks in der Luftführung Schmutzpartikel oder abgebrochene Teile ansaugt. Auch kann es zu Undichtigkeiten bei der Schmierung kommen, wodurch sich der Ölverbrauch erhöht. Im schlimmsten Fall könnte dabei ein Turbodiesel statt Sprit Motoröl ansaugen und "durchgehen", sagt Geisler. Dabei drehe das Aggregat unkontrolliert und ohne abzuregeln hoch, "bis es sich zerlegt".

Auch handfeste Schäden treten verhältnismäßig oft auf. "Der Lader ist eines der sensiblen Bauteile", erklärt Geisler. Zwar sei er simpel aufgebaut, habe aber "immense Belastungen" auszuhalten. So dreht er sich bis zu 300 000-mal pro Minute. Nach Angaben von Bert Korporal vom TÜV Nord ist ein Turbolader im Prinzip eine Turbine, die durch den Abgasstrom angetrieben mit ihren Luftschaufeln Frischluft für den Motor komprimiert. "Sie drückt mehr Sauerstoff in die Brennräume, dadurch erhöht sich die Leistung." Weil die Turbine durch den heißen Abgasstrom angetrieben wird, herrschen laut Magnus Geisler im Gehäuse große Temperaturunterschiede: "Im Abgasbereich ist der Lader mit 600 Grad glühend rot, auf der Druckseite herrschen dagegen nur rund 100 Grad." Diese Belastungen führen zu Verschleiß. Zwar sind Turbolader nach Angaben des Herstellers BorgWarner Turbo Systems so konstruiert, dass sie in der Regel die Lebensdauer des Motors erreichen. Allerdings weist der Zulieferer darauf hin, dass die Servicevorschriften genau einzuhalten sind. Dazu gehören vor allem die Ölwechselintervalle.

90 Prozent aller Turboladerschäden entstehen laut BorgWarner durch Eindringen von Fremdkörpern sowie durch Schmutz im Öl und mangelnde Ölversorgung. Eine weitere vermeidbare Ursache ist nach Angaben von TÜV-Experte Bert Korporal "rabiates Chiptuning", was zur Überlastung einzelner Komponenten führt. Auch Imponiergehabe kann dem Lader zusetzen, wie Magnus Geisler ergänzt: So treibe kurzes Gasgeben vor dem Abstellen des Motors die Temperaturen unnötig hoch. Nach langer Autobahnfahrt sei es besser, den Motor langsam auslaufen zu lassen und nicht sofort abzustellen.

Was auch immer die Ursache ist - eine Panne trifft die Turbofahrer meist unerwartet. "Ein Schaden kündigt sich nicht an", sagt Geisler. Dass etwas nicht stimmt, merkt man aber sofort: "Ein Turbodiesel erreicht ohne den Lader nur noch 30 Prozent seiner Leistung", sagt Geisler. Er empfiehlt, bei Problemen nicht weiterzufahren, um größere Schäden zu verhindern. Denn geht tatsächlich etwas kaputt, wird es teuer: Je nach Typ veranschlagt Geisler für einen Kompletttausch rund 1500 Euro.

gms
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