25.08.12

Autotest

Hondas neuer CR-V: Der gezähmte Abenteurer

Wenn die Japaner die vierte Generation des CR-V nach Europa bringen, wird der Wegbereiter der modernen Geländelimousine vollends zum Softie.

Foto: PR/Thomas Geiger
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Sie wollen hoch sitzen, gut aussehen und viel einladen - aber ins Gelände zieht es nur die allerwenigsten SUV-Piloten. Dieser Entwicklung trägt Honda jetzt einmal mehr Rechnung. Wenn die Japaner Mitte November die vierte Generation des CR-V endlich auch nach Europa bringen, wird der Wegbereiter der modernen Geländelimousine fast 20 Jahre nach seiner Premiere deshalb gar vollends zum Softie. Schnittiger und schlanker gezeichnet, innen geräumiger denn je und erstmals auch mit Frontantrieb lieferbar, gibt er künftig den modischen Hochdachkombi mit dem eingebauten Panoramablick, der nur noch ausnahmsweise das Abenteuer sucht. Gleichzeitig wird er preislich neu positioniert. Um mehr Kunden anzusprechen, soll die abgespeckte Variante ohne Allradantrieb deutlich weniger als die bislang knapp 27 000 Euro für das Basismodell kosten. Und damit der CR-V auch ein wenig vom Premiumtrend profitiert, wird oben mit besonders üppig ausgestatteten Versionen ebenfalls ein wenig angestückelt. Zum Abstandstempomat mit Notbremsfunktion gibt es deshalb künftig jede Menge weiterer Extras wie ein schlüsselloses Zugangssystem, Hilfen für Spurführung und Spurwechsel, ein großes Panoramadach oder Bi-Xenon-Licht.

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Mit dem Abschied vom Abenteuer sind die Japaner auf einem guten Weg. Denn so wird der CR-V zu einem prima Reisewagen. Obwohl in Breite und Länge nahezu unverändert und sogar drei Zentimeter flacher als früher, bietet er innen spürbar mehr Platz. Schon vorn wirkt er deutlich luftiger, und in der zweiten Reihe wachsen Knie- und Kopffreiheit. Aber am größten ist der Zuwachs im Gepäckabteil mit der gründlich abgesenkten Ladekante: Der Kofferraum wächst um 147 auf 589 Liter und ist jetzt einer der größten in diesem Segment.

Wem das nicht reicht, der kann vom Heck aus mit einem Handgriff die beiden Hälften der Rückbank umfalten. Klack, klack, klack - dann fasst der CR-V sogar 1669 Liter und wird tatsächlich zum Kombi. Dazu gibt es Transportnetze in den Flanken, einen doppelten Ladeboden und eine elektrisch aufschwingende Heckklappe.

Das Design ist neu und wirkt deutlich sportlicher. Aber unter dem Blech ist der neue Neue im Grunde ganz der Alte, steht auf der Plattform des Vorgängers und nutzt die bekannten Motoren. Weil allerdings kein einziges Bauteil unverändert übernommen wurde, rollt er nicht nur komfortabler und vor allem leiser über den Asphalt. Sondern mit optimierter Aerodynamik, reduzierter innerer Reibung, serienmäßiger Start-Stopp-Funktion für die Handschalter, einem Eco-Trainer für den Fahrer und einem leichteren Allradantrieb ist er auch deutlich sparsamer geworden: Bis zu zwölf Prozent weniger CO2-Ausstoß versprechen die Japaner für den 150 PS-Diesel und den jetzt 155 PS starken Benziner, der nun auf Wunsch auch als Fronttriebler angeboten wird.

So kommt der immerhin bis zu 190 km/h schnelle CR-V im besten Fall auf einen Normwert von 5,6 und 7,2 Litern - nicht sensationell, aber auch nicht schlecht für ein Auto von bis zu 1,8 Tonnen. Zwar ist das Fahrzeug ohne nennenswerte Fehler, so ganz ohne Tadel geht es trotzdem nicht. Denn in Zeiten von iPhone und Co. wirken die Displays im luftigen Cockpit ziemlich pixelig und altbacken. Unter den vielen Assistenzsystemen vom Abstandshalter mit Notbremse bis zum aktiven Spurführungshelfer ist keine echte Innovation.

Modischer gestaltet, praktischer geschnitten und eher für den Alltag als für das Abenteuer gerüstet - so haben die Japaner den CR-V ins Hier und Heute gerettet. Doch allen Trends werden sie damit nicht gerecht. Denn wenn die Marktforscher recht haben, gehört die Zukunft zumindest in Europa durchweg Geländewagen, die noch ein, zwei Nummern kleiner sind. Das hat auch Honda erkannt, sagt Pressesprecher Christoph Rust: "Unsere Marktforscher beobachten diesen Trend sehr genau und werden sicher zur richtigen Zeit mit dem passenden Auto darauf reagieren."

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