07.07.12

Opel

Als der Kadett den Käfer herausforderte

Ob Limousine, Coupé oder Caravan: Der vor 50 Jahren von Opel präsentierte Kleinwagen wurde zu einem der meistverkauften Autos hierzulande.

Foto: opel
Premiere vor einem halben Jahrhundert: Den Opel Kadett A gab es wahlweise mit 40 oder 48 PS starkem Vierzylinder-Benziner – und auf Wunsch mit den damals modischen Weißwandreifen
Premiere vor einem halben Jahrhundert: Den Opel Kadett A gab es wahlweise mit 40 oder 48 PS starkem Vierzylinder-Benziner – und auf Wunsch mit den damals modischen Weißwandreifen

Rückläufige Verkaufszahlen, Angst um Arbeitsplätze: Auch wenn gute Nachrichten aus der Rüsselsheimer Zentrale derzeit rar sind, verweist Opel mit Stolz auf einen wichtigen Geburtstag. Vor 50 Jahren präsentierte der Autohersteller erstmals seinen Kadett A mit der klaren Absicht, den so erfolgreichen VW Käfer auf die Plätze zu verweisen. Der kantige Kompakte wurde ein gefeierter Kleinwagenstar, zählte jahrzehntelang zu den zwei meistverkauften Autos in Deutschland. Mit insgesamt über elf Millionen Einheiten stellte er eine der erfolgreichsten Modellreihen Europas.

Als einer der ersten Kleinwagen präsentierte sich der Kadett in großer Karosserievielfalt: Die klassische Limousine, das Coupé, der Caravan und der Lieferwagen Caravan Combi waren Vorboten einer neuen Ära, die drei Jahre später beim Kadett "B" bereits eine wahre Flut an Varianten hervorbrachte. Rund 650 000 Kadett der Serie A produzierte Opel insgesamt bis 1965. Viel für einen Neuanfang in der Kompaktklasse und doch wenig im Vergleich zum Käfer.

Die Jagd auf die Wolfsburger Konkurrenz eröffnet hatte eine Direktive vom Mutterkonzern General Motors (GM) aus Detroit, die Opel-Chefentwickler Karl Stief im Jahr 1957 erhielt. In aller Heimlichkeit wurde ein deutscher Käfer-Killer entwickelt: mit klassischen Kanten und klaren Bauhaus-Linien sowie konventionellem Antrieb, also Motor vorn und angetriebenen Hinterrädern. Alles nach dem Motto "Keine Experimente", so wie es der Zeitgeist der Ära unter Bundeskanzler Konrad Adenauer bevorzugte. Der 40 oder optional 48 PS leistende 1,0-Liter-Vierzylinder beschleunigte den gerade einmal 670 Kilogramm wiegenden Kadett auf fast sportliche Fahrleistungen, die damals dem größeren Rekord kaum nachstanden.

+++Ein sportlicher Japaner für scharfe Kurven+++

+++Das ist neu bei der Hauptuntersuchung+++

Der Kadett sollte "Jung und voll Schwung" sein, wie die Werbung zum Marktstart verkündete. Und gleichzeitig dem damals noch untadeligen Ruf hoher Zuverlässigkeit aller Opel-Modelle Ehre machen. "Opel Kadett - kurz gesagt O.K." lautete denn auch das selbstbewusste Motto einer Anzeigenkampagne zur Markteinführung. Immerhin hatte Opel mit 30 Erlkönigen über 1,5 Millionen Testkilometer auf Prüfgeländen bei Rüsselsheim und in den USA, aber auch am Polarkreis, zurückgelegt. Insgesamt rund 50 Millionen Mark ließ sich GM die Entwicklung des Kleinwagens kosten.

Die Grundsteinlegung des neuen Montagewerkes in Bochum hatte der Öffentlichkeit und der Konkurrenz 1960 erste Hinweise auf eine neue Kleinwagen-Modellreihe im Zeichen des Blitzes gegeben. Die Details blieben allerdings weiterhin geheim bis kurz vor der Pressepräsentation des Kadett im Juli 1962. "Fanfarenstoß in Richtung Wolfsburg!" lauteten die dicksten Schlagzeilen zum Kadett. "Eigene neue Produktionsstätte macht entsprechende Stückzahlen und volkstümlich knapp kalkulierten Preis möglich."

Hatte mancher Kritiker einen verkleinerten Rekord erwartet, überraschte der erste Nachkriegs-Kadett jetzt mit völliger Eigenständigkeit. Die Nachfrage war groß, Lieferzeiten von fünf Monaten wurden die Regel. Kein Wunder: Mit einem Basispreis von 5075 Mark kostete der Kadett nur 95 Mark mehr als der VW 1200 Export, bot aber dabei mehr Kofferraum, Komfort und Kraft. Dennoch: Ungeschlagene Sieger blieben die Volkswagen in ihrer Klassenlosigkeit. Mit dem Käfer fuhr der Arbeiter zum Fußballstadion, und der Direktor parkte seinen VW vor der Oper. Dagegen verkörperte der Kadett A den bezahlbaren Traum vom Kleinwagen für aufstrebende Angestellte, die auf Weißwandreifen ins Wochenende fahren wollten.

"Geht ab wie die Feuerwehr" oder "Gang, Gas - vorbei" schrieben die Opel-Werber. Immerhin belegte der Kadett sogar bei der Rallye Monte Carlo den dritten Platz in der GT-Klasse. Bei der legendären Langstreckenrallye Tour d'Europe war die zweitürige Limousine von 1963 bis 1965 sogar beständig auf Sieg abonniert. Später läutete der Rallye-Kadett einen Imagewandel für die ganze Marke ein. Weg von der bürgerlichen Betulichkeit des Fahrers mit Hut, hin zu jugendlichem Ungehorsam und neuer Sportlichkeit. Freche Rallyestreifen, mattschwarze Motorhaube, Zusatzscheinwerfer und damals fast schon als überstark empfundene Motoren machten den Rallye-Kadett zu einem Auto, das scheinbar nur versehentlich von Schotterpisten der Rallye-Weltmeisterschaft auf Straßenasphalt gewechselt war.

Zur Revolution in Rüsselsheim kam es 1979: Der damalige Opel-Entwicklungschef Friedrich W. Lohr setzte die Umstellung auf Frontantrieb durch. Den Anfang machte der Kadett D, der damit Anschluss fand an seinen neuen Rivalen, den Golf, und von dem insgesamt 2,1 Millionen Exemplare verkauft wurden. Den Golf einholen konnte der Kadett D allerdings nicht.

Unterstützung in den Stückzahlen versprach sich General Motors später von den internationalen Derivaten des als Weltauto konzipierten Kadett E. Ein Golf-Schläger wurde zwar auch dieser Kompaktklässler nicht, galt aber als aerodynamischste Limousine der Welt und siegte bei der Wahl zum "Auto des Jahres 1984".

Sieben gute Jahre ermöglichte der Kadett E der Marke Opel, 1993 folgte die Wachablösung in Form des Astra. Heute ist der Käfer der König unter den Oldtimern, der Kadett A dagegen selten wie eine blaue Mauritius.

Die Opel-Werke im Überblick
Die Opel-Werke im Überblick
Der Autobauer Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Obwohl erst Ende 2010 ein Werk geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter zuletzt um mehr als 8000 auf inzwischen 39 000 reduziert wurde, kommt Opel deshalb nicht aus der Verlustzone.
Um Opel profitabel zu machen, ist nun unter anderem geplant, die Produktion des künftigen Astra von 2015 an auf Ellesmere Port in England und das kostengünstige polnische Gleiwitz zu konzentrieren. Bislang wird der Astra auch im Stammwerk Rüsselsheim gebaut. Die Opel-Werke im Überblick (Stand Ende 2011):
Deutschland (Mitarbeiter insgesamt: 22.166):
In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.
In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.
Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.
In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.
Polen:
In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.
Spanien:
Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.
England (Mitarbeiter insgesamt: 4000):
Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.
In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.
Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren. (dpa)
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