Roller
Das dritte Rad am Roller Quadro 350D
Gerade bei Pkw-Führerscheinbesitzern sind diese Maschinen beliebt. Mit der Quadro 350D tritt jetzt ein neues Modell am Markt an.
Als die italienische Rollermanufaktur Piaggio 2006 mit dem MP3 seinen ersten Roller mit zwei Rädern an der Front vorstellte, lächelte die Fachwelt müde, und die eingefleischten Rollerfahrer machten sich lustig über das eigentümliche Gefährt. Dass dritte Rad am Roller sei wie das fünfte am Wagen, hieß es allenthalben. Aus heutiger Sicht hatten die Italiener eine neue Dreiradgattung geschaffen. Umso mehr, als die Scooterspezialisten 2009 eine Version auflegten, für die unabhängig von Hubraum und Leistung ein Pkw-Führerschein genügt.
Heute entfallen über 90 Prozent der MP3-Verkäufe auf diese "LT"-Versionen. Das zeigt, dass die Dreiräder unter den Zeitgenossen, die ausschließlich den Pkw-Führerschein besitzen, besonders beliebt sind. Der Vorteil der drei Räder liegt auf der Hand: Zwei Vorderräder können höhere Bremskräfte übertragen als eines, und auch die Seitenführungskräfte in Schräglage liegen auf einem höheren Niveau. Das kommt besonders bei schlüpfrigem Untergrund zum Tragen - und im Großstadtverkehr, wo Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen dem Rollerfahrer das Leben erschweren. Doch muss der Fahrer, verglichen mit einem gleich starken Einspur-Roller, ein etwas trägeres Einlenkverhalten und - angesichts des deutlich höheren Gewichts - zähere Leistungsentfaltung in Kauf nehmen.
Einen ernst zu nehmenden Wettbewerber für den Piaggio MP3 LT 300 schickt nun die junge italienische Marke Quadro mit dem 21 PS starken 350D ins Rennen um die Käufergunst. Mit 220 Kilogramm Leergewicht liegt der Quadro um 16 Kilo unter seinem Landsmann. Die Neigungstechnik an der Front lässt Schräglagenwinkel bis zu 40 Grad zu. Die beiden Gasdruckstoßdämpfer sind per Hydraulikleitung über einen Druckausgleichzylinder miteinander verbunden. Das soll stets einen gleichbleibenden Druck auf beide Räder gewährleisten und für Fahrstabilität sorgen. Zum Abstellen betätigt der Fahrer den roten Hebel im Cockpit, der das Hydrauliksystem der Federung an der Front sperrt sowie das Hinterrad arretiert und dadurch ein Umkippen oder Wegrollen verhindert.
Kräftig geht der flüssigkeitsgekühlte 313-Kubik-Einzylinder zu Werke, und dank der Variomatik entfällt das manuelle Schalten. Im Großstadtverkehr reicht die Motorleistung zum flotten Vorankommen allemal aus, für den Landstraßenbetrieb würde sich der Quadro-Fahrer indes das eine oder andere Pferdchen mehr wünschen. Solo hat der Vortrieb bei gut 110 km/h ein Ende - hier macht sich das hohe Gewicht bemerkbar. Zielgenau und agil lässt sich der 350D dirigieren, und auch am Geradeauslauf gibt es nichts zu mäkeln. Einen mehr als passablen Anker bieten die werksseitig mit Stahlflexleitungen versehenen Bremsen. Der saubere Druckpunkt und die hervorragende Wirkung der Kombi-Stopper nehmen selbst Panikbremsungen ihren Schrecken - zumindest per Handhebel. Von der sehr straffen Seite zeigt sich das Fahrwerk. Die nicht einstellbaren vorderen Stoßdämpfer sprechen zwar sauber an, machen aber keinen Hehl aus gröberen Unebenheiten. Die brettharten hinteren Dämpfer geben - zumindest im Solobetrieb - Schlaglöcher indes fast ungefiltert an des Fahrers Bandscheiben weiter. Die Alltagstauglichkeit des schick gestalteten Quadro kann sich sehen lassen. Die breite Front mit dem Doppelscheinwerfer und einer hohen Tourenscheibe gewährt unterwegs ordentlichen Wind- und Wetterschutz. Das große Staufach unter der langen und äußerst bequemen Doppelsitzbank nimmt einen Integral- und einen Jethelm oder den Einkauf fürs Wochenende locker auf. Und auch der Spritkonsum geht mit rund sechs Litern pro 100 Kilometer im Großstadtverkehr gerade noch in Ordnung.
Der 7100 Euro teure Quadro 350D ist eine gute Wahl für Autofahrer, die sich gern einmal den Fahrtwind um die Nase wehen lassen und flott durch den Stadtverkehr wuseln möchten. Und auch den sonntäglichen Ausflug aufs Land mit Sozia und Picknickkorb macht das Italo-Dreirad bequem möglich.












