Studie
Kassenpatienten greifen tief in die eigene Tasche
Gesetzlich Versicherte zahlen rund 380 Euro im Jahr für nicht übernommene Leistungen. Mancher verzichtet da lieber ganz auf die Behandlung.
Dortmund. Praxisgebühren und Zuzahlungen für Versicherte bei gesetzlichen Krankenkassen können ordentlich ins Geld gehen: Rund 380 Euro zahlen Kassenpatienten einer Umfrage zufolge beim Arzt, in der Klinik oder der Apotheke aus eigener Tasche. Im Durchschnitt geben Frauen 440 Euro und Männer 300 Euro für Leistungen aus, die von ihrer Krankenversicherung nicht übernommen werden, wie die Continentale Versicherung am Dienstag in Dortmund mitteilte. Sie hatte die repräsentative Studie beim Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest in Auftrag gegeben. Fast jeder Dritte gab an, wegen der Kosten schon Behandlungen, Untersuchungen oder Impfungen unterlassen oder verschoben zu haben.
+++Kasse: Lieber privat oder gesetzlich versichern?+++
+++21,8 Milliarden! Krankenkassen häufen Rekordreserven an+++
+++Kassenpatienten warten rund 23 Tage länger auf einen Termin+++
Bei den Kosten ging es neben Praxisgebühren beispielsweise um Zuzahlungen für Medikamente, medizinische Behandlungen, Physiotherapien und Massagen. Nicht erfasst wurden Ausgaben für kieferorthopädische Behandlungen und Brillen, wie ein Sprecher der Continentale sagte. Bei den angegebenen Beträgen handele es sich um persönliche Schätzungen der Befragten.
Vor allem Geringverdiener sagten, dass sie aus finanziellen Erwägungen auf die Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen verzichtet haben. Mehr als 80 Prozent bezeichneten das deutsche Gesundheitssystem als zu teuer. Bei dieser Frage waren neben den Angaben von 1100 Kassenpatienten auch die Antworten von 167 Versicherten bei privaten Kassen ausgewertet worden.
90 Prozent sehen die aktuelle medizinische Versorgung trotzdem positiv. Nahezu vier von fünf Befragten (78 Prozent) zeigten sich aber besorgt, langfristig nicht mehr vom medizinischen Fortschritt profitieren zu können.












