Gesundheit
Wie das künstliche Koma Patienten hilft
Beim "Künstlichen Koma" erhält der Patient eine verlängerte Narkose. So können Ärzte in der kritischen Phase behandeln und Risiken senken.
Berlin/Heidelberg. Etwa 35.000 Menschen verletzten sich in Deutschland pro Jahr bei Verkehrs-, Arbeits- oder Freizeitunfällen schwer. Über die Hälfte von ihnen erleidet dabei gravierende Schädel-Hirn-Verletzungen. Diese Patienten werden auf der Intensivstation oft in ein sogenanntes "Künstliches Koma" versetzt.
Der Begriff Koma ist eigentlich irreführend. Medizinisch ist es immer Folge einer schweren, oft lebensgefährlichen Funktionsstörung des Großhirns. Beim "Künstlichen Koma" hingegen erhält der Patient eine verlängerte Narkose meist über Tage, in seltenen Fällen sogar über Wochen. Das hat den Vorteil, dass die Ärzte den Patienten in der kritischen Phase behandeln können und dadurch mögliche Risiken für bleibende Hirnschäden senken. Nach neuesten Erkenntnissen sind die Heilungsergebnisse am besten, wenn die Narkose so flach und so kurz wie möglich gehalten wird, so die Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) in Berlin.
Intensivpatienten mit schweren Hirnverletzungen werden routinemäßig in eine Langzeitnarkose versetzt. "Hierdurch wird das Gehirn in einen stabileren Zustand versetzt, indem die Funktion zwar gedrosselt wird, dadurch aber auch weniger Bedarf an Durchblutung und Nährstoffen besteht. Darüber hinaus vermindern wir Aufregung und Schmerzen, was den Patienten vor Verletzungen schützt, die er sich beispielsweise selbst durch unwillkürliche Bewegungen zufügen könnte", erklärt Professor Andreas Unterberg, Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg.
Bei Patienten mit sehr schweren Hirnverletzungen kann eine Langzeitnarkose über Wochen oder Monate notwendig werden. Der Patient wird dann wie bei einer Operationsnarkose beatmet, künstlich ernährt, die Körperfunktionen werden über Monitore regelmäßig überwacht. Das birgt jedoch auch Risiken, beispielsweise die Gefahr von Infektionen bei längerer künstlicher Beatmung. Die Langzeitnarkose schadet dem Gehirn des erwachsenen Patienten nicht. Solange Nebenwirkungen auf andere Organe - wie beispielsweise Herz-Kreislauf-System, Leber und Lunge - vermieden werden, kann sie helfen das verletzte Gehirn zu schützen und Folgeschäden zu vermeiden. (glp)












