23.08.12

Lichtmarkt

Glühbirnen gehen auf den Rest: Verbraucher haben die Wahl

Energiesparlampen sind Nachfolger der alten Glühbirne. Doch auch sie könnten nur Übergangslösung sein. LED gilt als Zukunft des Lichts.

Foto: dpa-tmn/DPA
Verglüht - Die richtige Energiesparlampe finden
Die Glühlampe hat ausgedient, die Zukunft gehört der Energiesparlampe – und der LED-Technologie

Frankfurt/Main. Die gute alte Glühbirne verschwindet Ende des Monats endgültig aus der Produktion, 2016 kommt – je nach Energieeffizienz – auch das Aus für einige Halogenlampen. Die Zukunft gehört nach Einschätzung vieler Branchenexperten jedoch nicht der Energiesparlampe, sondern Leuchtdioden (LED) oder der sogenannten OLED-Technologie, bei der organische Materialien zum Leuchten gebracht werden.

In Handy-Displays, Fernsehern oder Autos hat sich die LED-Technologie, bei der Strom Halbleiterkristalle zum Leuchten anregt, bereits durchgesetzt. Die Unternehmensberatung McKinsey erwartet, dass die LED-Technologie in wenigen Jahren der Energiesparlampe den Rang ablaufen wird. LED Retrofit Lampen, die auch in die altbekannte Glühbirnenfassung passen, dürften ab dem Jahr 2015 erstmals einen höheren Marktanteil als klassische Energiesparlampen erreichen, sagen die Experten voraus.

"LED ist das, was den Markt in Zukunft bestimmen wird", sagt auch Peter Kafke, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Bei der Effizienz hätten die LED die Energiesparlampe überholt. Der Preis sei allerdings nach wie vor ein Problem, zudem gebe es große Qualitätsunterschiede. "Billige Produkte leuchten, aber nicht so hell", sagt Kafke.

Die Stromersparnis bei LED-Lampen liegt der Industrie zufolge bei 80 Prozent im Vergleich zur klassischen Glühbirnen. Ihre Lebensdauer gibt die Branche mit mindestens 30 Jahren an. Einstiegsprodukte gibt es bereits für rund 5 Euro, eine gute LED-Lampe kann allerdings schnell 40 Euro und mehr kosten. Energiesparlampen ohne Vorwärmfunktion leuchten nach Angaben der Initiative EnergieEffizienz der Deutschen Energie-Agentur (dena) rund 6000 Stunden – etwa fünfmal so lang wie eine Glühlampe. Mit Vorwärmfunktion können sie auf bis zu 15 000 Betriebsstunden kommen.

+++ Verglüht: Die richtige Energiesparlampe finden +++

Im Gegensatz zu Energiesparlampen enthalten LED-Lampen kein giftiges Quecksilber. "Es treten keine Dämpfe aus, wenn sie runterfällt und kaputtgeht", sagt Lothar Beckmann von der Stiftung Warentest. Allerdings haben die Hersteller von Energiesparlampen nachgerüstet: Zahlreiche Modelle enthalten mittlerweile Quecksilber in gebundener statt flüssiger Form und haben einen Splitterschutz.

Auch Oliver Drebing, Analyst bei Alsterresearch, erwartet, dass sich die LED-Technologie im milliardenschweren Markt für herkömmliche Beleuchtung in den nächsten Jahren durchsetzen wird – also etwa bei Lampen für Straßenbeleuchtung, Innenräume und Gebäude. "Damit katapultiert sich der LED-Markt in eine vollkommen neue Größenordnung."

Jürgen Waldorf, Geschäftsführer der Initiative licht.de, die zum Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI) gehört, ist dagegen skeptischer. Energiesparlampen dürften seiner Ansicht längerfristig eine bedeutende Rolle im Markt spielen: "Bei höheren Helligkeiten gibt es bislang keinen Ersatz."

Bei LED-Retrofit-Modellen passten die Leuchten nicht unbedingt zu den Reflektoren der bestehenden Lampe, erklärt der Experte. Dadurch verändere sich die Farbwiedergabe noch stärker als ohnehin schon durch die teilweise ungewohnte Lichtfarbe der LED. "Käufer sollten sich die Leuchten im Handel vorführen lassen und auf eine gute Farbwiedergabe achten", rät Waldorf.

Bevor LED-Lampen überhaupt den Lichtmarkt erobert haben, arbeitet die Industrie schon am nächsten Trend: Der OLED-Technologie, bei der organische Materialien zum Leuchten gebracht werden. OLED sind mehrere Zentimeter große Lichtquellen, die ein weiches Licht abgeben. Die Strahler werden insbesondere als Designelemente eingesetzt.

BASF und Philips haben eine Innenbeleuchtung für Autos aus OLED-Modulen entwickelt. Die Porzellan-Manufaktur Meissen und das Fraunhofer Center for Organic Materials and Electronic Devices Dresden (COMEDD) arbeiten an einer Leuchtenkollektion, die auf der OLED-Technologie basiert.

Bis die Zeit für die OLEDs in der Allgemeinbeleuchtung gekommen ist, dürfte es nach Einschätzung Waldorfs allerdings noch eine ganze Weile dauern. In zehn bis 15 Jahren könnten die bislang vor allem in kleinen Bildschirmen für Mobiltelefone eingesetzten OLED im breiten Lichtmarkt Fuß fassen, glaubt Experte Waldorf. Lichtausbeute und Lebensdauer der OLEDS sei momentan noch zu gering.

Wichtige Stromspartipps für jeden Haushalt
Wichtige Stromspartipps:
Jeder Haushalt in der Europäischen Union könnte im Jahr bis zu 1000 Euro einsparen, wenn effizienter mit Energie umgegangen wird. Dies hat das Umweltbundesamt errechnet und gibt Verbrauchern wichtige Spartipps.
Energieeffiziente Geräte: Schon beim Kauf von Geräten sollte man auf den Energieverbrauch achten. Dies führt dauerhaft zu günstigeren Energiekosten und macht den höheren Kaufpreis oft schnell wieder wett. Empfehlenswert seien Geräte mit dem Blauen Engel oder dem EU-Umweltzeichen.
Glühbirnen ersetzen: Energiesparlampen verbrauchen 80 Prozent weniger Strom als normale Glühlampen. Mit elf Watt liefert sie fast die gleiche Lichtmenge wie eine Glühlampe mit 60 Watt. Auch ihre Lebensdauer ist mit 8000 bis 12 000 Stunden acht- bis zwölfmal länger. Ein Haushalt kann im Schnitt durch den Umstieg auf Energiesparlampen 50 bis 170 Euro an Stromkosten im Jahr einsparen.
Stand-by-Funktion ausschalten: Viele Elektrogeräte verbrauchen Strom auch in Zeitspannen, in denen sie ihre eigentliche Funktion gar nicht erfüllen. Ein auf Stand-by gestellter DVD-Player kann eine Leistungsaufnahme von 15 Watt haben, was über das Jahr betrachtet Stromkosten von 21,90 Euro verursacht. Stromräuber lassen sich durch einfaches Steckerziehen abschalten.
Effizientes Kühlen: Kühl- und Gefriergeräte verbrauchen etwa ein Fünftel des Stromes im Haushalt. Um Energie zu sparen, sollten diese möglichst in ungeheizten Räumen und nicht neben anderen Wärmequellen wie Heizkörpern oder in direkter Sonneneinstrahlung aufgestellt werden. Lassen Sie erhitzte Lebensmittel erst abkühlen, bevor Sie diese in den Kühlschrank stellen oder einfrieren.
Waschen und Trocknen: Waschmaschinen sollten immer möglichst voll beladen betrieben werden. Ein Waschgang bei 40 Grad, was als Temperatur für normal verschmutzte Wäsche völlig ausreichend ist, bringt etwa 50 Prozent Energieeinsparung gegenüber dem 60-Grad-Waschprogramm mit sich. Für das Trocknen der Wäsche ist die Wäscheleine dem Trockner vorzuziehen.
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