09.07.12

Arbeiten zu Hause

Homeoffice: Ohne feste Zeiten geht es nicht

Ein Zimmer nur zum Arbeiten und ein guter Schreibtischstuhl: Wer sein Büro zu Hause hat, sollte auf diese Dinge nicht verzichten.

Foto: picture alliance / dpa-tmn/Diagentur
Ohne feste Zeiten geht's nicht: Büro in den eigenen vier Wänden
Arbeiten vom heimischen Sofa aus? Das ist bequem, aber Experten empfehlen Heimarbeitern, sich lieber ein separates Arbeitszimmer mit Schreibtisch einzurichten

Heidelberg. Das Büro in den eigenen vier Wänden? Für viele ist das heute selbstverständlich. Als Freiberufler lässt sich so viel Geld sparen, und die Zeit für lange Anfahrtswege entfällt. Wer sich aber gänzlich unbedarft ins Homeoffice stürzt, kann böse Überraschungen erleben. Doch mit ein paar einfachen Tricks führt auch die Arbeit zu Hause zum Erfolg.

Das offensichtlichste Problem bei der Arbeit zu Hause ist die Motivation. "Ich muss mich fragen, wie ich mich selbst disziplinieren kann", sagt Ariane Wahl, die eine Coaching-Agentur in Heidelberg führt. Eine feste Tagesstruktur könne gegen Disziplinlosigkeit und Motivationsloch helfen. "Wenn ich mir eine Kernarbeitszeit schaffe, feste Mittagspausen habe, mir Deadlines setze, kann das helfen", erläutert die Berufsberaterin.

Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der ETH Zürich, sieht in der Verschmelzung von Privatraum und Arbeitsraum die größte Gefahr für die Arbeit im Homeoffice: "Die Grenzziehung passiert nicht mehr von alleine, ich muss sie selbst aktiv herstellen", stellt die Psychologin heraus. "Das geschieht durch Kleidung, durch das Definieren von Zeiten, von Orten und von Pausen."

Falls möglich, ist für die Abgrenzung eines Arbeitsbereichs in den eigenen vier Wänden ein eigenes Zimmer die beste Lösung. Also dort, wo man die Tür hinter sich zumachen könne, sagt Wahl, Mitglied im Deutschen Verband für Bildung- und Berufsberatung. Und einen weiteren Tipp hat die Berufsberaterin in petto: "Auf keinen Fall sollte man an der Einrichtung sparen. In einen bequemen Bürostuhl muss man schon investieren. Das Zimmer braucht den Charakter einer Arbeitsstätte. Das klingt banal, ist aber unheimlich wichtig."

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Nicht nur für den Freiberufler selbst macht das kleine Büro in der Wohnung einen Unterschied, auch für den Partner oder die Familie. "Ich muss mich von der Familie absetzen können", sagt Wahl. "Die geschlossene Tür gibt nicht nur mir das Gefühl: Hier und jetzt arbeite ich. Auch die Familie weiß: Jetzt dürfen wir nicht stören."

Nicht jeder hat allerdings ein ganzes Zimmer für das Homeoffice frei. Klare Kommunikation mit Partner und Familie wird dann noch wichtiger. Auch, wenn man an einem Schreibtisch mitten im Wohnzimmer sitzt, müsse das als professionelle Arbeit nach außen wahrgenommen werden, erklärt Esther Kimmel, Berufscoach in Berlin. Für Arbeit, die hohe Konzentration erfordert, empfiehlt Wahl jedoch, Zeiten auszunutzen, wenn Partner und Kinder außer Haus sind.

Doch nicht nur die Selbstdisziplin ist entscheidend dafür, wie gut jemand mit der Arbeit im Homeoffice zurechtkommt. "Menschen mit hohem sozialen Faktor müssen soziale Brücken bauen", sagt Wahl. Sonst drohe Vereinsamung. Wer gerne und viel unter Menschen ist, aber alleine zu Hause arbeitet, muss sich den Austausch anderweitig suchen. "Zum Beispiel in einem Netzwerk der entsprechenden Berufsgruppe."

Gleiches gilt für eher unsichere Menschen, die Bestätigung brauchen, bevor sie weiterarbeiten können. Sie können sich zum Beispiel in Berufsverbänden mit Gleichgesinnten austauschen. Wer noch an eine Firma angegliedert ist, kann zur Mittagspause einen Ausflug in die Kantine unternehmen, um dort mit den Kollegen zu quatschen. So bleibt man nebenbei auch auf dem Laufenden, was die internen Kommunikationsprozesse angeht. Rückmeldung und Bestätigung können auch über guten E-Mail- und Telefonkontakt erreicht werden, es muss nicht immer von Angesicht zu Angesicht ablaufen.

Egal, welcher Typ Mensch: Ein Problem des Homeoffice kann alle betreffen – Überlastung und Burnout. "Es gibt eine stärkere Gefahr von Burnout, weil die Grenzen so undeutlich sind", weiß Kimmel aus etlichen Gesprächen. "Viele habe das Gefühl, nie richtig abschalten zu können." Dabei können schon kleine Tricks dazu beitragen, dem Burnout vorzubeugen. "Rituale zu finden, mit denen die Arbeit begonnen und beschlossen wird, können für mehr Klarheit sorgen. Ich habe zum Beispiel einen alten Sekretär, an dem ich häufiger zu Hause arbeite. Klappe ich ihn abends zu, bin ich mit der Arbeit fertig", erzählt Kimmel.

Und für die Neulinge unter den Homeoffice-Arbeitern empfehlen die Experten: "Am Anfang ist es besonders hilfreich, ein Mini-Tagebuch zu führen. Damit kann man reflektieren, wann und wie man am besten gearbeitet hat, wie die Umstände waren. So finde ich für mich einen guten Arbeitsstil", sagt Grote.

Ferienjob: So viel dürfen Jugendliche arbeiten
Ferienjob: So viel dürfen Jugendliche arbeiten
Auch wenn es vielen Jugendlichen zwischen 13 und 14 Jahren nicht recht ist: Bis zum 15. Geburtstag gelten sie als Kinder, zumindest was die Arbeitswelt angeht.
Für ganz junge Ferienjobber gibt es deshalb eine Menge Einschränkungen.
So erlaubt ihnen der Gesetzgeber nur zwei Stunden Arbeit am Tag – und das auch nur dann, wenn die Eltern einverstanden sind.
Sie dürfen dann leichte Aushilfsjobs annehmen wie Prospekte verteilen, Babysitten oder Zeitungen austragen.
Zwischen 15 und 18 Jahren dürfen Jugendliche bis zu acht Stunden am Tag arbeiten, zwischen 06.00 und 20.00 Uhr 40 Stunden pro Woche. Aber nur an Werktagen.
Wochenenden sind tabu, ebenso die Nachtzeit (Ausnahmen gibt es in der Gastronomie).
Insgesamt können Schüler vier Wochen im Jahr Vollzeit arbeiten, entweder verteilt übers Jahr oder in den Ferien am Stück.
Regelmäßige Tätigkeiten bei starker Hitze, Kälte, Nässe oder Lärm sind verboten.
Gleiches gilt für Akkordarbeit und gefährliche Jobs an Sägemaschinen oder Schweißgeräten. (dapd)
(dpa)
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