12.05.12

Boote & Meer

Wenn der Törn zum Risiko wird

Schiffsversicherer warnt davor, Boote bis 15 PS führerscheinfrei fahren zu lassen. Noch sind nur fünf PS erlaubt

Von Marlies Fischer
Foto: picture alliance/ dpa/dpa
Ausflug auf dem Rhein
Zwei junge Frauen rasen mit ihrem motorisierten Schlauchboot am Mittwoch über den Rhein bei Köln

Wenn die Politik sich mit Wassersport beschäftigt, ist die Branche im ersten Moment erfreut. Aber was die Koalition in Berlin sich als "Neue Impulse für die Sportschifffahrt" ausgedacht hat, lässt viele Experten die Stirn runzeln. Vor allem der Plan, die Grenze für führerscheinfreie Boote von fünf auf 15 PS anzuheben, sorgt für Unruhe.

"Je schneller man fährt, desto häufiger und schwerer sind die Personenschäden", sagt Martin Baum. Der Geschäftsführer bei Pantaenius Yachtversicherungen in Hamburg ist auf dem Wasser groß geworden und erinnert sich an spannende Wettfahrten mit Bruder Daniel und Vater Harald im Schlauchboot mit Außenborder. "Da habe ich früh Erfahrung gesammelt, wie man umsichtig Boot fährt. Aber der Außenborder hatte natürlich nie mehr als fünf PS." Bisher darf jeder ohne Führerschein ein Boot fahren, das mit höchstens fünf PS angetrieben wird. Wer sich mit mehr Pferdestärken im Wasser bewegen möchte, braucht den amtlichen Sportbootführerschein. Den darf man ab 16 Jahren machen.

"Mehr Menschen aufs Wasser zu bringen und sie für die Sportschifffahrt zu begeistern ist grundsätzlich eine gute Idee", sagt Martin Baum. "Aber gleichzeitig muss die Sicherheit Vorrang haben." Entscheidend sei neben der Geschwindigkeit eines Bootes vor allem dessen Masse. "Ein leichtes Schlauchboot mit fünf PS kommt gerade noch ins Gleiten, wenn man allein drinsitzt. Ein 15-PS-Motor aber bringt locker ein Boot mit drei Passagieren auf Geschwindigkeiten von rund 40 Stundenkilometern. Das ist zu schnell und vergrößert das Risiko um ein Vielfaches. Deshalb sehe ich eine Erhöhung der PS-Grenze ohne gleichzeitige Altersbeschränkung als leichtsinnig an. Außerdem leidet die Seemannschaft, wenn weniger ausgebildet wird."

Führerschein-Inhaber kennen die Vorfahrts- und andere Regeln

Natürlich sind auch Segelboote betroffen. Doch konstruktionsbedingt geraten Segler eher bei viel Wind ins Gleiten als mithilfe von Maschinenkraft - der Motor ist Flautenschieber und willkommene Unterstützung beim An- und Ablegen im Hafen. Aber auch hier ist das Führerschein-Wissen wichtig.

Selbst wer den Sportbootführerschein macht, wird ein Boot erst nach einiger Übung beherrschen. Aber zur Prüfung muss man zum Beispiel Kollisions-Verhütungsvorschriften und Vorfahrtsregeln pauken. So weiß ein Führerschein-Inhaber, dass die Berufsschifffahrt grundsätzlich Vorfahrt hat. Jemand, der ohne Führerschein mit 40 Kilometern pro Stunde auf der Elbe herumflitzt, wird zu einem Verkehrsrisiko und gerät leichter in Konflikt mit der Berufsschifffahrt.

Vor allem über die größere Verletzungsgefahr machen sich die Experten bei Pantaenius Gedanken. Martin Baum nennt ein typisches Szenario: "Ein Schlauchboot fährt mit großer Geschwindigkeit in die Welle und setzt hart auf. Die Passagiere haben nicht mit dieser Wucht gerechnet, halten sich nicht richtig fest und werden heftig durchgeschüttelt und gestaucht. Da kann es zu schweren Rückenverletzungen wie Bandscheibenvorfall oder herausspringenden Wirbeln kommen." Verletzte oder gar Tote kann es geben, wenn ein Bootführer einen Schwimmer oder Schnorchler überfährt.

Zum Sommer soll die neue führerscheinlose PS-Obergrenze in Kraft treten, letzte Gespräche zwischen Bundestagsabgeordneten und Experten im Bundesverkehrsministerium laufen. Die Öffnung auf 15 PS kommt allerdings nur auf Probe und soll nach drei Jahren erneut bewertet werden.

Dann rechnet auch Martin Baum mit verlässlichen Zahlen. "Wir werden entsprechende Parameter entwickeln, damit die Statistiken aussagekräftig sind." Der Wassersportler hat noch eine andere Hoffnung: "Vielleicht gehen die Sportbootfahrer vernünftig mit den neuen Regelungen um, und wir verzeichnen weniger Unfälle."

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