12.02.11

Charter

Kreuzfahrt auf gechartertem Kiel

Wasserwandern oder Kurzurlaub auf der Elbe ist auch ohne eigenes Boot möglich, doch ein Führerschein muss sein

Foto: stockmaritim
Auf einem Kajütboot die deutschen Gewässer erkunden bietet ein neues Urlaubsgefühl.
Auf einem Kajütboot die deutschen Gewässer erkunden bietet ein neues Urlaubsgefühl.

Hamburg. Kreuzfahrt im Kleinen: Wer einen Sportbootführerschein besitzt, aber kein eigenes Schiff, kann auf gechartertem Kiel bequem das deutsche Gewässernetz erkunden. Das geht auch in Norddeutschland, zum Beispiel als Tour rund um Holstein - die Stationen lauten: Hamburg, Nord-Ostsee-Kanal (NOK), Abstecher zur Eider, NOK, Fehmarn, Elbe-Lübeck-Kanal, Lauenburg. "Die heimischen Charterunternehmen profitieren vom Trend zum Deutschlandtourismus", sagt Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft (BVWW).

Das herausragende Binnenrevier im deutschen Chartergeschäft bleiben die Müritzregion und die Brandenburger Gewässer. Mehrere Hundert Kilometer sind hier sogar ohne Führerschein befahrbar. Die Charterliste, die das Magazin "Boote" im Januar veröffentlichte, nennt allein 58 Anbieter in dieser Region. Dagegen ist das Angebot rund um Hamburg eher überschaubar. "Wir sind hier die Einzigen, die Boote verchartern", sagt Berthold Marien vom Bootszentrum Hamburg an der Tatenberger Schleuse. "Wir haben 2010 damit angefangen, zunächst mit drei Booten. Die Nachfrage war so groß, dass wir im August bereits zwölf Boote vorgehalten haben. Inzwischen sind alle verkauft, und wir starten in diesem Jahr mit einer neuen Flotte von 15 Booten."

Die meisten Boote, die direkt von der Station an der Dove-Elbe aufbrechen, sind Sportboote, die nur für einen Tag gemietet werden, etwa um beim Hafengeburtstag dabei zu sein, die "Queen Mary" anzuschauen oder auf der Wasserski-Strecke elbaufwärts richtig Gas zu geben. "Wir haben aber auch Boote mit Kojen für Urlaubstörns", sagt Marien. Viele stehen auf Trailern, werden von der Kundschaft erst einmal hinter das Auto gespannt und dann im Wunschrevier zu Wasser gelassen. Aber es gebe auch Urlaubstörns, die in Bergedorf starten, meist Kurzurlaube und Wochenendfahrten.

Auf das gemütliche Wasserwandern hat sich der Bootsverleih Jens Edler spezialisiert. Er ist an der Eider, auf Höhe der Lexfähre beheimatet. Zwei Kajütboote mit drei oder vier Kojen sowie eine Motoryacht mit sechs Schlafplätzen laden zum Schippern ein. "Wir vermieten an Familien, oft mit kleinen Kindern, die dann zum Beispiel eine Woche lang auf der Eider bleiben", sagt Jens Edler. Aber auch mehrwöchige Reisen oder reine Männertouren werden nachgefragt. "Unsere Kundschaft ist vielfältig, kommt aus Flensburg bis Bayern, ist jung bis alt."

Ohne Sportbootführerschein geht bei motorisierten Kajütbooten nichts. Aber selbst, wenn die Kunden einen Schein vorweisen können, lässt Edler sie in der Regel nicht in die Nordsee, zu anspruchsvoll ist das Navigieren zwischen den Untiefen des Wattenmeeres, und sind die Anforderungen des Tidengewässers. Aber es gibt Ausnahmen. Edler: "Stammkunden, von denen ich weiß, dass sie erfahrene Bootsführer sind, dürfen auch auf die Nordsee."

Vor allem Chartertouren in führerscheinfreien Gewässern seien sehr beliebt, sagt Marion Köhnemann von der Vereinigung Deutscher Yacht-Charterunternehmen (VDC). "Die Schwelle ist hier geringer. Dagegen ist der Einstieg in Revieren mit Führerscheinpflicht wie rund um Hamburg komplizierter. Wir kämpfen schon länger zusammen mit dem BVWW für ein modulares Führerscheinsystem, in das auch die Praxis mit einfließt. Dann erfordert es weniger Mut, ein Schiff zu chartern."

Köhnemann rät Charterneulingen, bei größeren Touren über Agenturen zu buchen. Diese kennen die Boote und können Anfängerfehler vermeiden helfen. Der häufigste sei, dass das Boot zu voll beladen werde, sagt Jürgen Tracht.

"Es sollten nicht mehr Leute an Bord sein als feste Kojen vorhanden sind. Werden dagegen auch Sitzbänke zum Schlafen genutzt, kommt es schnell wegen der beengten Platzverhältnisse zu Konflikten." Zudem sollten die Fahrtgebiete sorgfältig und passend zum jeweiligen seemännischen Können ausgewählt werden. "Es gibt anspruchsvolle und leichte Reviere, und das kann sich je nach Jahreszeit ändern", sagt Tracht. Er selbst hat vor 20 Jahren sein Boot verkauft und fährt seitdem auf gecharterten Schiffen - aus Zeitgründen. "In dem letzten Jahr mit eigenem Boot war ich sieben Tage an Bord und habe drei Wochen herumgeschraubt."

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