21.09.12

Verhaltensforschung

Tücken des Alltags können gut für die Fitness sein

Forscher empfehlen ganz einfache Tricks bei der Gesundheitsförderung: Schlössen Fahrstuhltüren nur langsam, nähmen mehr Menschen die Treppe.

Foto: dpa-Zentralbild
Fahrstuhl "Außer Betrieb"
Wenn das Schild "Außer Betrieb" an einem Fahrstuhl hängt, heißt es: Treppe nehmen!

Washington/Cambridge. Haben Sie sich auch schon einmal darüber geärgert, dass ihr Fahrstuhl seine Türen so langsam schließt? Oder dass die Desserts am hintersten Ende der Essensausgabe stehen? Trösten Sie sich, vielleicht leben Sie dadurch einfach gesünder – und damit länger. Britische Verhaltensforscher raten nämlich dazu, den Menschen gesundes Leben leicht zu machen, also ungesundes Leben schwer.

Gute Ratschläge zu einem gesunden Lebenswandel nutzten einfach nur selten: Wer Menschen ändern will, müsse es ihnen leicht machen, so die Forscher. Die Salatbar in Reichweite, die Treppe näher als der Aufzug - all das führe eher zu einer Lebensänderung als Informationen und wohl gemeinte Ermahnungen, schreiben britische Verhaltensforscher in einem Überblicksartikel des Fachjournals "Science". Ursache dafür sei die Art, wie wir Entscheidungen treffen - selten aus guten Gründen, dafür oft aus Gewohnheit, Bequemlichkeit oder aus kleinsten Anlässen.

So habe das Abschalten eines von mehreren Fahrstühlen oder auch nur das langsamere Schließen der Aufzugstüren bei Versuchen dazu geführt, dass deutlich mehr Menschen die Treppe nutzten, berichtet das Team um Theresa Marteau von der Universität Cambridge. Hohe und schmale Gläser ließen Menschen weniger trinken als breite mit demselben Volumen. Die Salatbar in der Nähe locke mehr als die süßen Desserts weiter hinten.

Täglich werde unser Handeln von zwei Arten der Entscheidungsfindung beeinflusst: von bewussten, rationalen Gründen und von Gewohnheiten, eingefahrenen Mustern oder unbewussten Präferenzen. Dabei sei die rationale Entscheidung zwar meist die, die sicher zum Ziel führe, die Gewohnheitshandlung dagegen sei schneller, da sie keiner weiteren Überlegungen bedürfe. "Man muss nicht immer nachdenken, um den Weg nach Hause zu finden", erläutern die Forscher. Diese Art der Verhaltenssteuerung lasse sich auch auf die Förderung der Gesundheit anwenden, sei es der Kampf gegen das Rauchen, zu viele verlockende Süßigkeiten oder zu wenig Bewegung.

In allen Fällen gebe es einen ständigen Konflikt zwischen dem eigentlich erwünschten Ziel, etwa dem gesunden Leben, und der unmittelbaren Belohnung, wie der Faulheit oder der süßen Nachspeise. Die Verhaltensforschung habe gezeigt, dass es nicht viel helfe diesen Konflikt dadurch zu beeinflussen, an die rationale Seite zu appellieren. Bedeutend besser sei es dagegen, den Weg zur gewünschten Entscheidung durch äußere Bedingungen zu vereinfachen und so neue, gesündere Gewohnheiten zu etablieren.

Die Möglichkeiten sind nach Meinung der Forscher endlos: Sie reichen von der ansprechenderen Gestaltung gesunder Produkte und deren bequeme Platzierung in Kantine und Supermarkt bis hin zur Architektur von Bürogebäuden, die zu mehr Bewegung in Arbeitspausen anregen. In der Gesundheitsvorsorge sei es vielversprechend, die Zielrichtung weg von den Ermahnungen und hin zu subtilen Anreizen zu lenken und zu Bedingungen, die aus der bewussten Entscheidung eine leicht befolgte Gewohnheit machten.

(dpa)
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