Als Verheugen ein Jahr zu früh zurücktreten wollte
Berlin. Beim traditionellen festlichen Dinner des Europäisch-Israelischen Dialoges im Journalistenclub im 19. Stock des Verlagshauses Axel Springer mit atemberaubendem Ausblick über das nächtliche Berlin sorgte EU-Kommissionsvize Günter Verheugen ungewollt für Verblüffung und Heiterkeit. Verheugen, der neben Wirtschaftsminister Michael Glos und Israels Industrieminister Eliyahu Yeshai eine kurze Rede hielt, erinnerte seine Zuhörer daran, dass er bereits 1962, als 18-Jähriger, das erste Mal Israel bereist habe. Und weil man daran erkennen könne, wie alt er schon sei, "trete ich nächste Woche von meinem Amt zurück". Nach einer Schrecksekunde, während Verheugen in erstaunte Gesichter sah, korrigierte er sich hastig: "Ich meine natürlich nächstes Jahr."
Gelächter allenthalben. Dann überlagerte für 90 Minuten eine ganz andere Frontstellung die viel diskutierte Dramatik des Nahost-Konfliktes. Ob Minister, Botschafter oder Unternehmer - viele schlangen den Nachtisch rasch hinunter, andere ließen ihn gar unberührt und stürzten hastig davon. Der Grund: Im Raum nebenan hatten die Organisatoren einen Großbildschirm aufgestellt - und es spielte Deutschland gegen Österreich. Da fieberte Hubert Burda neben Mathias Döpfner, da bangte Roland Berger mit dem deutschen Uno-Botschafter Thomas Matussek. Und der weise, fast 90-jährige Lord Weidenfeld of Chelsea musste manch milden Spott erdulden - der Brite ist gebürtiger Wiener. Und Diplomat: "Ich habe einfach beiden Seiten die Daumen gehalten", meinte er zum Abendblatt.




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