Türkischer Premier in Deutschland
Etwas bescheidener vielleicht . . .?
Kommentar
Recep Tayyip Erdogan gibt bei seiner Deutschland-Visite den vor Selbstbewusstsein strotzenden starken Mann. Der türkische Ministerpräsident fordert türkische Lehrer an deutschen Schulen, wird am Sonntag vor 20 000 Türken in Köln sprechen, lässt für diesen Auftritt plakatieren, als wenn er für ein politisches Amt in Deutschland kandidieren würde. Weniger wäre mehr, denken sich einige aus der deutschen Politik und wünschen sich einen Besucher, der etwas bescheidener auftritt.
Vor allem gelten diese Botschaften nicht dem Gastgeber Deutschland, sondern eher den Menschen in der Türkei. Ihnen will Erdogan zeigen, wie kraftvoll und handlungsfähig er türkische Interessen vertritt. Denn in seinem Verantwortungsgebiet steht der Regierungschef wegen der geplanten Aufhebung des Kopftuch-Verbotes an Universitäten in der Kritik. Schon am vergangenen Wochenende demonstrierten Zehntausende dagegen, sie vermuten eine schleichende Islamisierung durch Erdogans islamisch-konservative Regierungspartei AKP.
Die von Staatsgründer Atatürk eingeführte Trennung von Staat und Religion, der Laizismus, aber ist in der türkischen Gesellschaft ein unumstößlicher Wert. Den werden westlich orientierte Türken und vor allem das Militär als Gralshüter von Atatürks Erbe nicht ohne Widerspruch aufgeben. Erdogan muss sich trotz seiner komfortablen Mehrheit im Parlament auf ungemütliche Zeiten einstellen.
Daher sollte der Regierungschef politische Auseinandersetzungen zu Hause in der Türkei führen. Dort ist Erdogans Handlungsfähigkeit und Überzeugungskraft gefragt. Großspurige Auftritte in Deutschland sind da nur Energieverschwendung.




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