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Europa

40 Jahre Haft für Djindjics Mörder

BELGRAD. Mehr als vier Jahre nach der Ermordung des früheren serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic hat ein Gericht in Belgrad gestern alle zwölf angeklagten Männer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die beiden Hauptangeklagten, der einstige Chef einer paramilitärischen Einheit, die direkt dem damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic unterstand, Milorad Ulemek, und sein Stellvertreter Zvezdan Jovanovic, wurden jeweils zu der Höchststrafe von 40 Jahren Gefängnis verurteilt.

Ulemek war bereits wegen seiner Verwicklung in Anschläge auf andere serbische Politiker verurteilt worden. Gegen die anderen zehn Angeklagten, von denen fünf weiter auf der Flucht sind, wurden zwischen acht und 35 Jahre Haft verhängt. Einige der Verurteilten waren Mitglieder einer mächtigen Belgrader Kriminellenorganisation. "Es war kein gewöhnlicher Mord, es war ein politischer Mord mit dem Ziel, den Staat zu destabilisieren", begründete die Vorsitzende Richterin Nata Mesarovic das Urteil.

Djindjic, der erste demokratisch gewählte Regierungschef seit dem Zweiten Weltkrieg, spielte eine Schlüsselrolle beim Sturz Milosevics im Jahr 2000. Nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten 2001 lieferte er den Exmachthaber an das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aus. Mit seinem prowestlichen Reformkurs gewann er hohes Ansehen, machte sich jedoch auch Feinde vor allem bei Milosevic-Anhängern und dem organisierten Verbrechen.

Der Regierungschef war am 12. März 2003 in Belgrad erschossen worden. Sein gewaltsamer Tod war ein Schock für viele Serben, die nach der internationalen Isolation unter der Herrschaft Milosevics einen Modernisierungsschub erwartet hatten. Hunderttausende kamen zu seinem Begräbnis . Bei der Verkündung des Urteils am Mittwoch waren auch frühere Mitglieder seines Kabinetts anwesend.

Djindjic wurde am 1. August 1952 als Sohn eines Offiziers im nordbosnischen Bosanski Samac geboren und wuchs in Belgrad auf. Während seines Philosophie-Studiums gründete er 1974 eine nichtkommunistische Studentengruppe, was ihm einige Monate Haft eintrug. Daraufhin verließ Djindjic Jugoslawien und studierte in Frankfurt und Konstanz. Nach Abschluss seiner Dissertation kehrte er 1979 nach Jugoslawien zurück, im Winter 1989 gründete er zusammen mit anderen Oppositionellen die Demokratische Partei.

Die wirklichen politischen Motive, Hintergründe, Anstifter und Drahtzieher des Attentats seien auch nach über 1200 Prozesstagen nicht enthüllt, kritisieren Organisationen und Politiker, die sich als Nachfolger im Sinne Djindjics verstehen. Das Urteil sei nur der erste Schritt, nun müssten die Auftraggeber und Inspiratoren gefunden werden.HA

 

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