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Europa

Integration: Deutschland diskutiert noch - Skandinavier gehen neue Wege

Sabuni - Schwedens Integrationsministerin weiß, wovon sie redet

Stockholm. "Ich bin es gewohnt, aufzufallen", sagt etwas lakonisch, resignierend Nyamko Sabuni, seit 8. Oktober Schwedens Ministerin für Integration, Gleichstellung, Jugend, Großstädte, nationale Minderheiten und Demokratie. Sie fällt nicht nur wegen ihrer Hautfarbe auf, sondern auch wegen ihrer hin und wieder provozierenden Ansichten, nicht zuletzt auch in Bezug auf ihresgleichen, Einwanderer. Aber, so argumentiert die 37 Jahre alte Mutter von Zwillingen: "Niemand kann mir streitig machen, auf diesem Gebiet Erfahrungen zu haben."

Als 12-Jährige kam 1981 die in Burundi geborene Nyamko Sabuni über Kongo-Kinshasa nach Schweden. Ausbildung war ein Schlüsselwort in ihrer Familie. Sie, die Älteste von sieben Geschwistern, studierte Jura, Einwanderungspolitik und Medienkommunikation. Schon als Studentin verschaffte sie sich Gehör, sie schloss sich den Jungliberalen an und wurde 1996 in deren Vorstand gewählt. Sechs Jahre später zog sie für die liberale Volkspartei in den Reichstag ein, hätte ihren Sitz bei der jüngsten Wahl jedoch räumen müssen, falls nicht zwei ihrer Parteifreunde Minister geworden wären.

Die nicht sehr hoch gewachsene Politikerin mit dem kurzen Haarschopf hat sich während ihrer ersten vier Jahre im Reichstag einen Namen als unerschrockene Verfechterin einer in ihren Augen erforderlichen Integrationspolitik gemacht. Da forderte sie, die sich selbst als gemäßigt sieht, für Einwanderer einen Sprachtest sowie deren Ausweisung, falls sie mehrfach straffällig geworden sind. Sie will neben den religiösen Freischulen Alternativen fördern und schlug Anfang 2004 ein Schleierverbot für Mädchen unter 16 Jahren vor. Noch kurz vor ihrer Minister-Ernennung forderte sie für junge Mädchen eine gynäkologische Untersuchung, um zu prüfen, ob sie beschnitten worden sind. "Wir haben doch auch Pflichttests für Brustkrebs", argumentierte die Muslima.

Etliche ihre Vorschläge gingen auch der eigenen Parteispitze zu weit, dennoch hat die einstige Masseurin ihren Stil nicht geändert, seitdem sie im Kabinett sitzt. Ihre erste Maßnahme: Sie streicht die Zuschüsse für das Zentrum gegen Rassismus. Es war umstritten wegen seiner Geldvergeudung und weil es eine Eissorte verbieten wollte, die "Nogger Black" hieß. Dies sei rassistisch, hieß es. Aber Sabuni, die für diesen Beschluss viel Zustimmung fand, sah sich dem Vorwurf der Befangenheit ausgesetzt. Schließlich ist ihr Onkel Mkyabela Sabuni ein leitender Angestellter dieser Behörde. Dass sie den Mut hatte, ohne Rücksicht auf Verwandtschaft den Geldhahn zuzudrehen, zählte weniger.

Die Kritik gegen ihre Berufung kommt hauptsächlich aus Einwandererkreisen. Der Schriftsteller Kurdo Baksi klagt sie der Islamophobie an. "Sie ist die inkompetenteste Integrationsministerin, die wir je gehabt haben. Das hat nichts mit ihrer ethnischen Herkunft zu tun, sondern mit ihrem mangelnden Verständnis für Integrationsfragen." Der Integrationsgutachter Masoud Kamali sagt, mit ihren Stellungnahmen habe Sabuni den Eindruck von kriminellen Einwanderern und Männern, die Ehrenmorde begehen, verstärkt. Dies könne zu einer Zunahme des Rassismus führen.

Die so Gescholtene hält dagegen und erklärte: "Der beste Weg zur Integration führt über Arbeit und Sprachkenntnisse." Außerdem kündigte sie die Schaffung einer Gleichstellungsbehörde an.

 

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