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Europa

Störfall: Schweden schaltet Atomkraftwerke ab

Stromausfall: Stand ein Gau kurz bevor? Reaktor war 23 Minuten lang nicht unter sicherer Kontrolle. E.on prüft Anlagen.

Stockholm/Hamburg. Aus Angst vor einem schweren Atomunglück sind in Schweden vier Reaktoren vom Netz genommen worden. Die Aufsichtsbehörde reagierte damit auf einen Störfall, der sich bereits am 25. Juli im Kernkraftwerk Forsmark nördlich von Stockholm ereignet hatte. Dabei kam es nach Einschätzung von Umweltschützern nur durch Glück nicht zu einer Kernschmelze und einem GAU (größter anzunehmender Unfall). Inzwischen wurde auch in Oskarshamn 200 Kilometer südlich von Stockholm ein baugleicher Reaktor abgeschaltet.

"Wir können keine Sicherheit garantieren, dass Oskarshamn mit einem Fehler wie in Forsmark fertig werden würde", sagte Anders Osterberg vom schwedischen Kraftwerkbetreiber OKG, an dem auch der deutsche Konzern E.on beteiligt ist. Umweltministerin Lena Sommestad lässt den Vorfall untersuchen: "Die Fehler sind inakzeptabel. Sie zeigen, wie komplex und verwundbar die Atomenergie ist."

Atomstrom trägt zur Hälfte des Stromverbrauchs in Schweden bei. Als Folge der Reaktorschließungen schossen die schwedischen Strompreise gestern auf Rekordhöhe.

Nach einer vorläufigen Rekonstruktion der schwedischen Atomaufsichtsbehörde SKI hat ein Kurzschluss zu dem Zwischenfall in Forsmark geführt. Das Kraftwerk wurde vom Stromnetz getrennt, die Stromversorgung versagte. Von den vier Diesel-Notstromaggregaten sprangen nur zwei an. Zwischenzeitlich habe die Betriebsmannschaft 23 Minuten lang nicht alle Informationen über den tatsächlichen Zustand der Anlage gehabt. Teile des Notkühlsystems und die Schnellabschaltung hätten aber funktioniert, hieß es.

Nach schwedischen Medienberichten zeigte sich im Verlauf der Störung ein bisher unbekannter technischer Fehler, mit dem offenbar in allen schwedischen Atomkraftwerken gerechnet werden muss.

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht den Zwischenfall in Forsmark als besorgniserregend an. "Das Atomkraftwerk ist durch den Störfall 20 Minuten lang im Geisterbetrieb gefahren, bis die Belegschaft den Betrieb des Kraftwerks manuell wieder in den Griff bekam", so Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. Auch das Bundesumweltministerium stufte den Zwischenfall als "sicherheitstechnisch ernstes Ereignis" ein. Man prüfe, ob die Mängel auch in deutschen Kraftwerken vorliegen könnten. Vattenfall-Sprecher Ivo Banek versicherte gegenüber dem Abendblatt: "Es ist ausgeschlossen, dass es in unseren Anlagen zu solch einem Störfall kommen kann."

Heute hat Vattenfall wegen der Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel einen Gesprächstermin im Kieler Energieministerium. Dort soll ausgelotet werden, ob weiterer Handlungsbedarf wegen des Vorfalls in Schweden notwendig ist.

Auch bei E.on wird nach Abendblatt-Informationen geprüft, ob es Maßnahmen gegen ähnliche Vorfälle in den deutschen E.on-Kraftwerken geben müsste.a.m., stü, raa, ryb

 

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