Liebe ist . . .
Kommentar: Enzyklika des Papstes
Die mit Spannung erwartete erste Enzyklika des neuen Papstes Benedikt XVI. wird vielleicht all jene enttäuschen, die vom neuen Pontifex eine rasche und grundlegende Wende in der katholischen Kirche erwarteten. Freilich fällt das Rundschreiben an die eine Milliarde katholischen Gläubigen wiederum lange nicht so konservativ aus, wie manche voreilige Kritiker es dem ehemaligen Chef der Glaubenskongregation wohl gern unterstellt hätten. Das liegt in erster Linie an der sehr aktuellen und präzisen Themenwahl.
"Gott ist Liebe" - mit diesen einfachen drei Worten unterstreicht Papst Benedikt, was seiner Meinung nach Christentum ausmacht. In einer Welt wachsender Ungerechtigkeit sei es notwendig, sich alter Werte wie Nächstenliebe und Fürsorge zu erinnern. Ganz im Sinne der katholischen Soziallehre fordert Benedikt XVI. deshalb das Bekenntnis zu persönlicher Zuwendung und sozialem Engagement.
Diese Botschaft ist sowohl religiös als auch politisch. Und sie könnte auch als Adresse an die nichtkatholische Welt gemeint sein. Hat der deutsche Papst sie deshalb genau an dem Tag veröffentlicht, an dem vor 47 Jahren Papst Johannes XXIII. ein neues ökumenisches Konzil einberufen hatte? Der Vatikan-Kritiker Hans Küng hofft deshalb, daß der ersten bald eine zweite Enzyklika folgen wird, die noch klarere Signale für eine Revision des katholischen Alleinvertretungsanspruchs geben wird.
Seit seinem Amtsantritt hat der neue Mann auf dem Petrus-Stuhl eine Reihe überraschender Signale gesetzt. Die Enzyklika paßt sich in dieses Schema ein, auch wenn ihre Haltung gegenüber der Sexualität ganz auf der Linie vorangegangener Lehrschreiben liegt. Aber ist die Mahnung, Liebe nicht zur "Ware" verkommen zu lassen, nicht auch sehr zeitgemäß?




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