Innenminister Sarkozy wettert gegen Gauner und Ausländer

Paris. Er schwitzt und redet sich in Rage, mit erhobenem Zeigefinger verflucht er die "Gauner", die Frankreich unsicher machen - der Pariser Innenminister Nicolas Sarkozy hat in wenigen Tagen mit einer Serie von Rechtsaußen-Parolen einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Menschenrechtler sind besorgt über seine Ankündigung, ganze Stadtviertel mit hohem Ausländeranteil durch massive Polizeieinsätze "säubern" zu lassen.

Premierminister Dominique de Villepin stellt sich schützend vor die Justiz, nachdem sein Innenminister einen Richter für die Freilassung eines Mörders verantwortlich machte - den er als "Monster" bezeichnete. "Ist er durchgedreht?" fragte die Zeitung "France-Soir", Sarkozy wirke wie "angestochen".

Der 50jährige Politiker, der von unbändigem Ehrgeiz getrieben wird und in zwei Jahren Präsident werden will, hat in Amtsinhaber Jacques Chirac und Premier Villepin seit Anfang Juni gleich zwei politische Intimfeinde gegen sich. Interessierte Kreise brachten eine schwere Krise in der Beziehung zu seiner Frau und langjährigen Beraterin Ceecilia an die Öffentlichkeit. "Wenn Ceecilia nicht zurückkommt, haben wir gewonnen", soll Villepin nach Informationen der "Libeeration" höhnisch zu Chirac gesagt haben. "Dann ist er erledigt."

Sarkozy, zugleich Chef der konservativen Regierungspartei UMP, mußte die Ehekrise eingestehen. Und er zieht alle Register: Wird in einem Problemviertel eine spektakuläre Gewalttat begangen, eilt Sarkozy vor Ort, verspricht Großeinsätze der Polizei, harte Strafen. "Ich spreche wie das Volk", prahlt er. Der Sozialist Arnaud Montebourg jedoch warnt, ein Innenminister sei kein "Lehrer öffentlicher Rache"; der Grüne Noel Mamere nennt Sarkozy einen "gefährlichen Mann".

Der Ausgang des Kräftemessens an der Spitze des Staates ist offen. Nachdem Sarkozy gefordert hatte, der für die Freilassung eines offenbar rückfällig gewordenen Mörders zuständige Richter müsse dafür "bezahlen", wies Villepin ihn in die Schranken. Doch ging Präsident Chirac am Freitag auf Sarkozys Anliegen ein und forderte eine rasche gesetzliche Neuregelung zum Umgang mit Rückfalltätern und zur Freilassung von Gewalttätern.

Und Sarkozy wird auch weiter keine Ruhe geben. Nach Einschätzung von Vertrauten des Präsidenten wittert er "überall Komplotte" und fürchtet, seine Umgebung sei "von Rachegelüsten angetrieben". Zu Sarkozys ersten Amtshandlungen als Innenminister gehörte es, die Entlassung des Kommunikationschefs der Pariser Polizeipräfektur, Gerard Dubois, zu erzwingen. Grund: Dubois soll in die Veröffentlichung der Eheprobleme Sarkozys verwickelt gewesen sein. Der "Canard enchaine" berichtete, Sarkozy verwende nur mit äußerster Vorsicht Mobiltelefone, weil er sich darüber bewußt sei, daß er abgehört werde. (afp)

Der Ausgang des Kräftemessens in der Regierung ist offen. Es geht bereits um die Chirac-Nachfolge.