Fluchtpunkt Lampedusa
Hunderte Afrikaner versuchen täglich Europa zu erreichen
Rom. Kaum ist die Affäre um das deutsche Flüchtlingsschiff "Cap Anamur" beendet, kommt auf Italien eine neue Flüchtlingswelle zu. Galt die Aufregung vor kurzem den 37 Afrikanern, die die "Cap Anamur "aus Seenot gerettet hatte und die inzwischen wieder großteils abgeschoben worden sind, so treffen jetzt täglich gleich Hunderte Flüchtlinge ein. Allein am Sonntag hatten 350 Menschen - Iraker, Palästinenser und Männer aus Bangladesch - an Bord überfüllter und meist seeuntauglicher Boote die kleine Insel Lampedusa erreicht, die fast genau auf halbem Weg zwischen Nordafrika und Sizilien liegt.
Für die italienischen Behörden steht außer Frage: Schlepperbanden wollen die guten Wetterbedingungen während der Sommermonate nutzen, um möglichst viele Menschen aus Dritte-Welt-Ländern nach Italien einzuschleusen. Diese müssen dafür Tausende Dollar zahlen und wissen gar nicht, in welche Gefahr sie sich begeben. Viele der Flüchtlinge sind bereits im Mittelmeer ertrunken.
"In diesem Jahr sind etwa 3500 Menschen illegal nach Italien gelangt", berichtet der Leiter des Aufnahmelagers auf Lampedusa, Claudio Scalia. Im Vorjahr waren es insgesamt 9000 gewesen. Allerdings hatte Italiens Innenminister Giuseppe Pisanu kürzlich behauptet, dass noch "zwei Millionen Verzweifelte auf die Überfahrt nach Italien warten".
Von der nordafrikanischen Küste aus können Flüchtlinge bei gutem Wetter in zwei Tagen Lampedusa erreichen - die meisten Schlepper starten von der libyischen Küste aus. Bisher hat Rom vergeblich versucht, Tripolis zum Kampf gegen die Schlepperbanden zu mobilisieren.
Auch ein Abkommen, das die italienische Marine zur Kontrolle der libyschen Küste berechtigen würde, konnte nicht erreicht werden. Eine derartige Vereinbarung hat Italien bereits mit Albanien getroffen - seitdem ist der Flüchtlingsstrom über die Adria praktisch zum Erliegen gekommen. Italien fühlt sich bei den meisten Versuchen, der illegalen Einwanderung Herr zu werden, allein gelassen. Der Wirbel rund um die beschlagnahmte "Cap Anamur", die im Hafen von Porto Empedocle auf Sizilien liegt, galt auch als Hilferuf an die anderen EU-Staaten.





Branchenbuch Hamburg
100. Geburtstag
Axel Springer




Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



