Türkei-Premier: Deutschland-Tour
"Will Erdogan Bundeskanzler werden?"
Politiker ist im Fall der Feuerkatastrophe von Ludwigshafen um Profilierung bemüht - auch mit Plakaten.
Köln. Der türkische Ministerpräsident Recep Erdogan ist in Deutschland derzeit sehr präsent. Bei seinem Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag zeigte sich der Ministerpräsident, der am Tag zuvor die Brandruine in Ludwigshafen besucht hatte, fest davon überzeugt, dass der "tragische Vorfall" die engen deutsch-türkischen Beziehungen nicht beschädigen wird. Merkel sicherte ihm eine entschlossene Suche nach der Brandursache zu.
Wenn die Ursache feststehe, werde dies "sowohl die Türken als auch die deutsche Gesellschaft aufatmen lassen", sagte Erdogan. Er dankte Polizei und Feuerwehr in Ludwigshafen erneut für ihren Einsatz. Zu Beginn einer Diskussion mit türkischen und deutschen Jugendlichen im Kanzleramt gedachten beide Regierungschefs in einer Schweigeminute der Opfer der Brandkatastrophe.
Besonders präsent ist Erdogan, der am Wochenende an der Sicherheitstagung in München teilnimmt, aber auch in Köln. Dort will er am Sonntag vor 20 000 Türken in der Köln-Arena reden. Die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) organisiert den Auftritt. Den rechten Arm zum Gruß erhoben oder aber dynamisch voranschreitend, blickt Erdogan deswegen von mehr als zweihundert Plakaten auf Straßen und Plätze. "Will der jetzt Bundeskanzler werden?", fragt ein Herr mit buschigem Kölschem Schnäuzer kopfschüttelnd in der U-Bahn-Station Appellhofplatz.
Die Frage liegt nahe, denn hinter Erdogan weht eine riesige schwarz-rot-goldene Fahne. Auch die Schrift ist teilweise schwarz-rot-gold unterlegt. Alles erinnert stark an Bundestagswahlkampf - mit dem einzigen Unterschied, dass der Text türkisch ist. "Die sollen Deutsch schreiben", meint der in Köln lebende Italiener Giuseppe Casani (26).
Ismet Aytekin von UETD kann das überhaupt nicht verstehen. "Wer die Plakate nicht lesen kann, kann uns ja anrufen. Also, es steht drauf: "Der türkische Regierungschef kommt nach Deutschland". Wobei das besonders groß gedruckte Wort "Lideri" eigentlich nicht "Regierungschef" heißt, sondern vom englischen "leader" - Führer - abgeleitet ist: "Aber ,Führer' können Sie auf Deutsch natürlich nicht schreiben."
Aytekin ärgert sich sehr darüber, dass die Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Lale Akgün, die Plakate für integrationsfeindlich hält. "Was spricht dagegen, Menschen in ihrer eigenen Sprache anzureden? Integration heißt ja nicht, immer der Mehrheitsgesellschaft nach dem Mund zu reden."
Es gibt auch einige Plakate auf Deutsch. Darauf steht: "Das Herz der in Europa lebenden Türken schlägt in Köln." Das bezieht sich laut UETD nur auf die Veranstaltung am Sonntag. Dann kommen nämlich auch noch Türken aus Holland und Belgien.




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