Autobomben: Mutmaßlicher Drahtzieher ein Einser-Abiturient
Ruhig, fromm - Terrorist?
Die Bombenleger von Großbritannien sind hoch gebildet. Den Hauptverdächtigen beschreibt sein Vater in Jordanien als "Unschuldslamm".
London. Ärzte, die in arabischen Ländern oder in Indien aufgewachsen sind. Immigranten, die auf legalem Wege den Sprung nach Europa geschafft haben. Etablierte Akademiker, die direkte Verbindungen zur radikalislamischen al-Qaida unterhalten haben sollen. Der Hintergrund der mutmaßlichen Attentäter von London und Glasgow entspricht so ganz und gar nicht dem Bild, das sich Großbritannien von seinen islamistisch motivierten Extremisten gemacht hat.
Spätestens seit den Londoner Selbstmordattentaten vor zwei Jahren fühlt sich das Land von jungen Männern bedroht, die als Nachkommen von Einwandererfamilien auf der Insel aufgewachsen sind und sich inmitten einer freiheitlichen Ordnung radikalem Gedankengut zugewandt haben. Die acht nun in Gewahrsam genommenen Verdächtigen brechen mit diesem Muster: Alle sind Sicherheitskreisen zufolge Ärzte oder haben mit medizinischen Berufen zu tun. Zwei stammen aus Indien, die anderen aus dem Nahen Osten.
Doktor Bilal Abdulla hat seine Ausbildung im Irak absolviert. Mohammed Asha hat die jordanische Staatsbürgerschaft. Asha, der als Drahtzieher der Anschlagsversuche gilt, hat in Jordanien ein Spitzenabitur hingelegt und wurde dazu 1998 von Königin Nur persönlich beglückwünscht.
Die aus Hebron stammende Familie beschreibt ihn als Unschuldslamm. Für den 60 Jahre alten Vater Dschamil Asha, der noch immer in der jordanischen Hauptstadt Amman lebt, kann der schmächtige Sohn niemandem etwas zuleide tun. Ein ruhiger Mann, der nur sehr selten in Zorn gerate, fromm, aber nicht extremistisch, so beschreibt ihn sein Vater. Die Fotos in der bescheidenen Wohnung in Amman zeigen einen jungen, intellektuell wirkenden Mann mit schwarzen Haaren und Brille. Auf einem Bild, das vor neun Jahren aufgenommen wurde, überreicht ihm Königin Nur das Abiturzeugnis: drittbestes Abitur im gesamten Königreich.
Asha geht nach seinem Medizinstudium an der Universität Amman 2005 nach Großbritannien, gemeinsam mit seiner Frau Marwa, einer ehemaligen Mitschülerin. Asha will sich als britischer Klinikarzt in Neurochirurgie spezialisieren.
Die britische Polizei nahm Ashas Ehefrau zusammen mit ihm fest. Kollegen und die britische Ärztekammer zeigten sich entsetzt. Nichts in seiner bisherigen Biografie deutet darauf hin, dass er Kontakt mit extremistischen oder gar terroristischen Kreisen gehabt hat.
Gerade das aber ist laut Ex-Scotland-Yard-Chef Lord Stevens, der Premierminister Gordon Brown im Anti-Terror-Kampf berät, ein Merkmal der neuen Generation von Terroristen, mit denen Großbritannien es zu tun habe. Das trifft auch auf den Iraker Bilal Abdullah zu. Nicht als Fanatiker, sondern als freundlicher, gut qualifizierter Arzt galt er im Royal Alexandra Hospital in Paisley, rund 15 Kilometer von Glasgow. Bis Bilal Abdullah Gasflaschen und Benzinkanister in einen Jeep packte und versuchte, damit in den Airport von Glasgow zu rasen.





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