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Europa

Illegale Einwanderung? Ex-Chef von "Cap Anamur" steht in Italien vor Gericht

Hamburg. Es war eine der spektakulärsten Rettungsaktionen im Mittelmeer: Tagelang trieben die 37 Afrikaner auf einem Schlauchboot vor der italienischen Insel Lampedusa, bis sie von dem deutschen Containerschiff "Cap Anamur" geborgen wurden. Doch anstatt Hoffnung befiel die Afrikaner Verzweiflung. Nach der Rettung musste die "Cap Anamur" zwei Wochen lang die sizilianische Küste auf und ab fahren. Die italienischen Behörden hatten dem Schiff die Einfahrt in den Hafen Porto Empedocle verweigert.

Schließlich widersetzte sich Kapitän Stefan Schmidt den Anweisungen und steuerte das Schiff direkt in die für ihn verbotene Zwölf-Meilen-Zone, eskortiert von einem Schwarm von Polizeibooten, der Küstenwache und zahlreichen Journalisten. Gestern begann in Italien der Prozess gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Hilfsorganisation "Cap Anamur", Elias Bierdel, gegen den damaligen Kapitän Stefan Schmidt und den ersten Offizier.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Beihilfe zur illegalen Einwanderung in einem besonders schweren Fall vor. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten bis zu zwölf Jahre Haft sowie eine Geldstrafe von 15 000 Euro für jeden ins Land gebrachten Flüchtling. Deutsche Hilfsorganisationen protestierten gegen die Eröffnung der Verhandlung. Auf die Anklagebank gehöre eine verfehlte europäische Asyl- und Migrationspolitik, hieß es in einem gemeinsamen Aufruf.

Der Prozess gegen den deutschen Tanker "Cap Anamur" ist aber nicht nur aus der Sicht von Menschenrechtsgruppen bedeutsam. Der Fall offenbart ein Problem, mit dem sich die kommerzielle Schifffahrt auseinandersetzen muss.

Zwar gilt noch immer die Faustformel, wonach der nächste Hafen, den das Schiff anläuft, der Hafen ist, in dem Schiffbrüchige auch aufgenommen werden müssen. Doch immer wieder kommt es vor, dass Kapitänen das Anlaufen von Häfen zum Absetzen von geretteten Schiffbrüchigen untersagt wird. Vor allem dann, wenn es Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern oder vom Balkan sind. Reedereien müssen dadurch häufig die Routen ihrer Schiffe ändern, was Zeitverlust und Mehrkosten verursacht.

Und auch für die Kapitäne wird es schwieriger. Sie können im Zweifelsfall, wie bei der "Cap Anamur", wegen Beihilfe zur illegalen Einreise belangt werden. Und das wollen sie nicht.

 

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