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Europa

Versöhnung war sein Lebensinhalt

Er war eine der Galionsfiguren für die Verständigung zwischen den Kirchen. Nicht zuletzt sein Charisma zog jedes Jahr bis zu 200 000 Jugendliche in das Kloster Taizé im Burgund und machte es zum größten Jugendwallfahrtsort Europas. Frère Roger wurde 90 Jahre alt.

Taize. Roger Louis Schutz-Marsauche kam am 12. Mai 1915 als Sohn eines protestantischen Pfarrers in Provence (Kanton Vaud) in der Schweiz zur Welt. Sein Vater war Schweizer, die Mutter stammte aus Burgund. Schutz studierte Theologie in Lausanne und Straßburg und wurde als Pastor ordiniert.

1940 ließ er sich in Taize, einem kleinen Dorf im Burgund, nieder. Er kaufte ein leerstehendes Herrenhaus, in dem er Verfolgte, vor allem Juden, vor den Nazis versteckte. 1942, als die Deutschen auch die Kontrolle im südlichen Frankreich übernahmen, durchsuchte die Gestapo das Herrenhaus und verhaftete die Insassen. Schutz konnte fliehen.

Im Sommer 1944 kehrte er mit zwei Freunden zurück. Ostern 1949 kam es zur Gründung eines evangelischen Ordens, dessen erste sieben Brüder sich zu Ehelosigkeit, Gütergemeinschaft und zur Anerkennung eines Priors bekannten - das Amt, das Frère Roger, wie er seitdem hieß, bis zu seinem Tod innehatte.

Brüderlichkeit und Versöhnung zwischen den Nationen, Konfessionen und Klassen sind bis heute Kern der Berufung, die sich die "evangelischen Mönche" auferlegt haben. Gläubige anderer christlicher Konfessionen fanden Aufnahme in der Gemeinschaft, ohne die Zugehörigkeit zu ihrer Kirche widerrufen zu müssen. Das Französische ist die Sprache der Verständigung. In der Liturgie, in der Elemente der römisch-katholischen Messe mit evangelischen und ostkirchlichen Formen der Andacht verschmolzen sind, haben alle Sprachen Raum. Ihren Unterhalt bestreitet die Gemeinschaft aus dem Ertrag der handwerklichen und künstlerischen Werkstätten, aus Druck und Vertrieb von Büchern, CDs und Schallplatten sowie aus den Einkünften der Brüder, die einem weltlichen Beruf nachgehen.

Seit Ende der 60er Jahre pilgern jedes Jahr bis zu 200 000 vor allem junge Menschen aus allen Teilen der Welt nach Taize und lebten in Zelten und Baracken. Dreimal täglich treffen sich die Pilger mit den mittlerweile etwa 90 Mitgliedern der Gemeinschaft zu Gebet und Meditation in der Erlöserkirche.

Ostern 1970 lud Roger zu einem Konzil der Jugend ein, das erstmals 1974 stattfand und mehr als 40 000 Jugendliche nach Taize zog. Seither treffen sich Jahr für Jahr Zehntausende junger Menschen aus aller Welt jeweils um die Jahreswende in wechselnden Städten.ap

 

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