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Europa

Papst gewinnt Volksabstimmung

Italien: Referendum über künstliche Befruchtung gescheitert. Zu geringe Beteiligung. Kirche setzt sich mit Boykott durch.

Rom. Italiens katholische Kirche hat den Kampf um die Volksabstimmung über Stammzellforschung und künstliche Befruchtung gewonnen. Nur wenige hatten allerdings erwartet, daß der Aufruf der Kirche zum Boykott des Bioethik-Referendums eine derart durchschlagende Wirkung haben würde. 50 Prozent waren als Beteiligungsquote festgelegt, nur knapp 26 Prozent wurden erreicht. Auch Papst Benedikt XVI. hatte den Appell zum Wahlboykott kaum verschlüsselt unterstützt. Die Kirche machte geltend, es gehe um den Schutz des menschlichen Lebens vor der Geburt, den niemand zur Abstimmung stellen dürfe.

Bei der Abstimmung ging es um die Liberalisierung des bestehenden Gesetzes, das die künstliche Befruchtung nur bei Ehepaaren oder fest zusammenlebenden heterosexuellen Paaren erlaubt. Das Material zur Befruchtung mit Ei- oder Samenzellen muß von dem Paar selbst stammen, nicht etwa von Dritten oder aus Samenbänken. Es dürfen maximal drei Eizellen im Reagenzglas befruchtet werden, wobei eine Untersuchung etwa auf Gendefekte untersagt ist. Auch das Einfrieren von Embryonen, die laut Gesetz bereits die Rechte eines menschlichen Wesens haben, ist nicht zulässig. Zudem ist die Forschung an embryonalen Stammzellen verboten.

Bei einer Mehrheit der Jastimmen hätten diese Klauseln aufgehoben werden müssen. Laut der italienischen Presse führte allerdings nicht nur der kirchliche Boykott-Aufruf, sondern auch die wachsende Enttäuschung der Italiener über die Politik zum allgemeinen Desinteresse am Wahlausgang. Das Thema spaltete die Politiker quer durch die Parteien. Auch das Regierungslager von Ministerpräsident Berlusconi war sich uneins. Berlusconi selbst ging nicht zur Wahl. "Die Fragen drehten sich um eine sehr technische Materie und waren zu komplex", sagte der Regierungschef. Und weiter: "Volksbefragungen sind in Ordnung, wenn es für die Bürger leicht ist, die Gründe zu verstehen, aus denen sie zum Wählen aufgerufen werden." Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi machte hingegen demonstrativ deutlich, daß er abstimmt.

Die Frauenministerin Stefania Prestigiacomo befürchtet nun, daß kirchennahe Kreise Auftrieb für ihre Forderungen erhalten könnten. So sei es möglich, daß versucht werde, im Parlament eine Verschärfung des liberalen Abtreibungsrechts durchzusetzen, sagte sie.dpa/HA

 

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