Drogen-Brennpunkt Osteuropa
Hasch und Heroin: Von den vier Millionen europäischen Süchtigen leben inzwischen zwei Drittel in Osteuropa.
Hamburg. Osteuropa droht nach Einschätzung des Internationalen Drogen-Kontroll-Organs INCB zu einem neuen Drogen-Brennpunkt zu werden. "Während sich die Situation auf dem Gebiet des Drogenmißbrauchs in Westeuropa offenbar stabilisiert hat, nehmen in Osteuropa die Herstellung und die Zahl der potentiellen Kunden von Amphetaminen und Ecstasy, die immer beliebter werden, deutlich zu", heißt es im gestern vorgestellten Jahresbericht des Gremiums.
Gleiche Beobachtungen gibt es auch für Heroin und Cannabis. Rußland entwickelt sich zum größten europäischen Heroinmarkt und Lieferanten des Cannabis-Rohstoffes. Von den vier Millionen europäischen Drogenabhängigen leben inzwischen zwei Drittel in Osteuropa, mehr als eine Million Heroinabhängiger allein in der Russischen Föderation. Entsprechend nehmen auch die Aids-Infektionen zu. 80 bis 90 Prozent aller neuen Infektionen kommen von verunreinigten Drogenspritzen. Das INCB, das die Einhaltung der Uno-Drogenkonvention überwacht, äußerte außerdem die Befürchtung, daß die Erweiterung der EU und die dadurch wegfallenden Im- und Exportkontrollen zu steigendem Schmuggel von illegalen Drogen führen könnte. Diese werden nicht nur über die sogenannte Balkanroute aus dem Orient durch Osteuropa in den Westen geschmuggelt, sondern immer häufiger auch in den osteuropäischen Staaten hergestellt. Das gilt vor allem für Amphetamine oder Ecstasy.
Allein in Tschechien entdeckten die Fahnder im Jahr 2003 32 illegale Labore. In Polen hebt die Polizei jährlich etwa zehn Labore aus. Polen entwickelt sich zum Großlieferanten der synthetischen Drogen - allerdings aber auch, weil dort die Nachfrage nach Ecstasy immer mehr steigt. Die gefährlichen Muntermacherpillen werden von dort nach Deutschland, Norwegen, Schweden, in die Ukraine und in die baltischen Staaten geschmuggelt.
In der Ukraine selbst stoßen die Fahnder aber auch immer häufiger auf erschreckend gut ausgestattete illegale Labore. Besonders alarmiert ist das INCB, daß dort auch Fentanyl hergestellt wird. Das Schmerzmittel, das vor allem in der Krebsbehandlung eingesetzt wird, hat bei Mißbrauch die hundertfache Wirkung von Heroin und gilt als äußerst gefährlich.
Europaweit ist aber weiterhin Cannabis die am meisten verbreitete Droge. 28,8 Millionen Menschen oder 5,3 Prozent der europäischen Bevölkerung haben im vergangenen Jahr an einem Joint gezogen. Die Tendenz ist seit zehn Jahren steigend, und auch hier holen die Osteuropäer mächtig auf. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Cannabis-Konsum unter den 15- und 16jährigen dort verdoppelt.
Im Kokain-Bereich allerdings führt der Westen die traurige Statistik noch immer vor dem Osten an. Besonders in Großbritannien, aber auch Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Spanien und der Schweiz nimmt der Kokainmißbrauch weiter zu.
Ein bis neun Prozent der Westeuropäer zwischen 15 und 34 Jahren nehmen irgendwann einmal Kokain. Pro Jahr kommen vor allem aus Südamerika 200 Tonnen Kokain nach Europa.



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