Van-Gogh-Mord: Die deutsche Spur
Drahtzieher des Attentats soll als Asylbewerber im Sauerland gelebt haben
Den Haag/Wiesbaden. Die Spuren der Mörder des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh führen auch nach Deutschland. Wie jetzt bekannt wurde, hat der 43 Jahre alte Syrer Redouan al-Issar, mutmaßlicher Anführer der islamistischen Terrorgruppe "Hofstad Netzwerk", die hinter dem Mord stehen soll, offenbar 1997 in Deutschland Asyl beantragt. Angeblich hielt er sich seitdem immer wieder im Asylbewerberheim Olsberg (Sauerland) auf. Möglicherweise versteckt er sich auch jetzt in der Bundesrepublik.
Laut "Stern" pendelte al-Issar als Wanderprediger und Drogenhändler zwischen Deutschland und Holland hin und her. Von dort wurde er längere Zeit vor dem Verbrechen nach Deutschland abgeschoben, sagte gestern der niederländische Justizminister Piet Hein Donner. Ob er aber hier auch ankam, ist unklar. Seine Spur verliert sich im Mai. "Bisher haben wir keine Erkenntnisse, ob er in Deutschland ist", sagte ein Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) gestern dem Abendblatt. Man prüfe derzeit aber alle Hinweise.
Nach einem Bericht des niederländischen Innenministers Johan Remkes war den Behörden seit Frühjahr 2003 klar, daß al-Issar eine "führende Rolle" im "Hofstad Netzwerk" spielte. Er wohnte auch zeitweise mit Mohammed Bouyeri (26) zusammen, der den Mord an van Gogh gestanden hat. In der Wohnung versammelten sich islamistische Fundamentalisten und hörten al-Issars Haß-Predigten.
Mitglieder des "Hofstad Netzwerkes" sind vor allem junge marokkanischstämmige Niederländer, die al-Issar jahrelang beeinflußte. Einige seien, so Remkes, in Terrorcamps nach Pakistan geflogen. Es gibt außerdem Kontakte zu Terrornetzwerken in Spanien und Belgien.
Die spanischen Behörden wiederum bestätigten nach einem Zeitungsbericht Verbindungen zwischen dem Terroristen Abdeladim Akoudad und mindestens einem der festgenommenen sechs niederländischen Verdächtigen. Akoudad war im Oktober 2003 in Barcelona festgenommen worden, weil er in das Selbstmordattentat von Casablanca (32 Tote) im Mai 2003 verwickelt gewesen sein soll.
Die nach dem Van-Gogh-Mord ausgelöste Gewaltwelle in den Niederlanden droht jetzt auch nach Belgien überzuschwappen. Die marokkanischstämmige belgische Senatorin Mimount Bousakla (32) wird derartig unter Druck gesetzt, daß sie untergetaucht ist. Ein anonymer Anrufer drohte der Sozialistin damit, sie "rituell zu schlachten". Bousakla hatte zuvor die Abschaffung des Muslimenrats in Belgien gefordert, weil das Gremium nach der Ermordung des Islamkritikers Theo van Gogh nicht zu Protesten aufgerufen hatte.



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