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Europa

Anna Lindh bekam Drohbrief

Mord: Ein E-Mail-Schreiber hat Schwedens Außenministerin als "machthungrig" verunglimpft.

Stockholm/Hamburg. Schwedens Außenministerin Anna Lindh hat offiziellen Angaben zufolge zwei Wochen vor dem tödlichen Attentat auf sie einen Drohbrief per E-Mail erhalten. Das schwedische Außenministerium teilte mit, die E-Mail sei am 27. August eingegangen. Am Vortag sei ein Zeitungsartikel erschienen, den Lindh gemeinsam mit dem Chef des schwedischen Telekommunikationsfirma Ericsson, Carl-Henrik Svanberg, verfasst habe. Der Sender SR Radio berichtete, Lindh sei in der E-Mail als machthungrig und der Großindustrie hörig beschrieben worden. Ein Unbekannter hatte Lindh am Mittwoch im Stockholmer Kaufhaus Nordiska Kompaniet mit einem Messer attackiert. Einen Tag später erlag die 46-Jährige ihren Verletzungen. In dem Artikel hatten sich Lindh und Svanberg für die Einführung des Euro in Schweden ausgesprochen, über die am Sonntag in einem Referendum abgestimmt werden soll. Lindh galt als eine der stärksten Euro-Befürworterinnen in der schwedischen Regierung. Das Ministerium teilte weiter mit, die E-Mail sei nicht an die für den Personenschutz von Politikern zuständige Polizei-Einheit Säpo weitergeleitet worden. "In einer Situation, in der die Außenministerin tot ist, untersucht man natürlich genauer, was an Maßnahmen und Routineschritten hätte anders gemacht werden können", sagte ein Sprecher. Unterdessen fahndet die Polizei in der kriminellen Drogenszene, hat aber immer noch keine heiße Spur vom Täter. Fahndungschef Leif Jennekvist teilte am Freitag mit, man verfüge über "sehr gute Informationen aus der Bevölkerung", benötige aber noch zusätzliche Aussagen von weiteren Augenzeugen des Messer-Attentats. Die Fahnder zeigten sich sicher, dass Lindh von einem spontan handelnden Einzeltäter aus dem Kreis drogenabhängiger und psychisch gestörter Gewalttäter ermordet wurde. Neue Erkenntnisse erhoffen sich die Fahnder durch die Auswertung von Videoaufnahmen aus Überwachungskameras im Kaufhaus. 15 Augenzeugen hatten sofort im Anschluss an den Überfall auf Lindh Angaben über das Aussehen des flüchtigen Täters gemacht. Jennekvist bestätigte, dass zwei Männer nach Vernehmungen von jedem Verdacht ausgeschlossen werden konnten. Die Polizei hatte in der Nacht Unterkünfte und andere typische Aufenthaltsorte für den in Frage kommenden Personenkreis durchsucht. Die technischen Untersuchungen am Tatmesser sowie an der ebenfalls gefundenen Militärjacke des Täters und von Fingerabdrücken des Täters an einer Rolltreppe laufen noch. Dennoch häufen sich bei den Ermittlungen die Pannen. Nach dem Attentat am Mittwoch wurde nicht sofort das U-Bahn-Netz überprüft, obwohl direkt neben dem Kaufhaus eine Station liegt und der Täter dort einsteigen und verschwinden konnte. Auch war kein leitender Polizeibeamte im Dienst, während Anna Lindh nachts operiert wurde. Mats Vangsted, verantwortlicher Polizeichef am Attentatabend, machte um 22 Uhr Feierabend, aber seine Stellvertreterin Anneli Bergholm Söder löste ihn nicht ab, sondern blieb zu Hause. Gegenüber der Zeitung "Aftonbladet" sagte sie: "Im Büro passierte nichts außer den laufenden Arbeiten. Man hätte mich anrufen können, wenn es dringend geworden wäre." Ihr Telefon klingelte nachts kein einziges Mal. Die Auswirkungen des Lindh-Mordes auf das Euro-Referendum am Sonntag sind weiter unklar. Während das Skop-Institut Verschiebungen zu Gunsten der Ja-Seite ermittelte, verzeichnete das Sifo-Institut einen weiter stabilen Vorsprung für die Gegner. Am Freitag entfernten Helfer überall in Schweden Tausende von Ja-Plakaten mit dem Foto der fröhlich lächelnden Anna Lindh. 50 00 Menschen mit Ministerpräsident Göran Persson an der Spitze gedachten der Toten am Abend in Stockholm.raa/fis/HA

 

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