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Deutschland

Lüneburger Kartoffelkrieg: Fans holen Linda aus Schottland

McKnolle für die Heide

Linda ist Anfang 30, knackig braun und schick in Schale. Linda ist zum Verlieben schön, zumal wenn Liebe durch den Magen geht. Doch vor geraumer...

Linda ist Anfang 30, knackig braun und schick in Schale. Linda ist zum Verlieben schön, zumal wenn Liebe durch den Magen geht. Doch vor geraumer Zeit musste sie sich vom Acker machen. Ihre Aufenthaltserlaubnis war abgelaufen. Sie durfte nicht mal mehr im Erdboden versinken, wo sie sich zu Hause fühlt. Sie wurde fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

Linda ist eine Kartoffel. Aber eine, die keine Lizenz zum Wachsen hat. Ein Bauer - und sei er noch so dumm, was ja eine Voraussetzung dafür sein soll, um üppige Knollen zu ernten - darf nicht irgendwelches Saatgut in die Furche legen. Seit der Alte Fritz ("Pommes Fritz"), der ausgekochte Preußenkönig, den Erdäpfeln in Deutschland mit einem Kartoffelbefehl zum Erfolg verhalf, wofür wir ihm posthum unseren untertänigsten Dank aussprechen, muss von Amts wegen eine Genehmigung her. Vom Bundessortenamt. Dort wird geprüft und getestet und schließlich der Daumen über Linda gehoben oder gesenkt: Darf sie wieder unter die Erde, oder wird ihr Fall für immer begraben? In einer Behörde dauert so etwas.

Dem Linda-Freundeskreis dauert es zu lange. "Wir wollen unsere Linda wiederhaben", fordert er. Linda sei ein wenig kränklich, behauptet dagegen Europlant, der Lüneburger Linda-Entwickler, eine Pflanzenzucht GmbH. Deshalb habe man sie 2005 vom Markt genommen. Die Linda-Freunde sehen das ganz anders: Europlant wolle seine anderen Kartoffelsorten verkaufen, weil die Lizenzeinnahmen dort höher seien. Die Feld-Herren führen einen regelrechten Kartoffelkrieg.

Georg Janßen, Begründer der Lüneburger Kampagne "Rettet Linda", ein ausgewiesener Bauernschlauer, hat eine Strategie, wie er gegen das Bundessortenamt zu Felde ziehen will: Er holt jetzt die geliebte Linda aus dem Ausland. Aus Schottland. 25 Tonnen. Da klaut ihm keiner die Kartoffeln. Denn in der EU gezüchtetes und zugelassenes Saatgut darf auch in den übrigen EU-Ländern verkauft werden. "Rin mit de Kartüffeln!", lautet der Schlachtruf.

Wie's ausgeht? Wir und die Kartoffeln werden auch im nächsten Jahr wieder Augen machen. Mit oder ohne Linda.

 

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