Ermittlungen: Islamische Dschihad Union bedroht Deutschland
Auf Absprung ins Terrorcamp gefasst
50 deutsche Islamisten haben sich in Pakistan und Afghanistan ausbilden lassen. Einige sind zurückgekehrt.
Foto: dpa
Hamburg. Vor knapp zwei Wochen hatte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, noch davor gewarnt, dass "die Entscheidung, Anschläge in Deutschland zu begehen, auf höchster Ebene der al-Qaida gefallen" sei. Seitdem haben zwei Festnahmen vor einer Woche in Frankfurt und zwei an diesem Freitag auf dem Flughafen Köln-Bonn sowie die öffentliche Fahndung nach den beiden Terrorverdächtigen Eric Breininger und Houssain al-Malla unterstrichen, dass dies keine leeren Worte waren.
Stück für Stück legen die Ermittler in Deutschland ein Netzwerk frei, in dessen Zentrum offenbar die Islamische Dschihad Union (IJU) steht. Bei jeder Festnahme, bei jeder Fahndung fällt der Name. Diese islamistische Terrorgruppe aus Usbekistan, die dem losen Al-Qaida-Verbund zuzurechnen ist, ist entschlossen, Anschläge und Selbstmordattentate in Deutschland zu begehen. Es sind ihre Terrorlager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, zu denen Islamisten pilgern, um sich dort für Anschläge in Deutschland ausbilden zu lassen. Besonders auffallend ist dabei der große Anteil zum Islam konvertierter Deutscher und Zuwanderer mit deutschem Pass.
Auch die auf dem Flughafen Köln-Bonn in den letzten Minuten vor dem Abflug festgenommenen potenziellen Selbstmordattentäter, der Deutschsomalier Omar D. (24) und der Somalier Abdirazak B. (23), waren angeblich auf dem Weg in ein IJU-Lager. Laut "Tagesspiegel" wollten sie über Amsterdam und Uganda nach Pakistan reisen. Sie waren schon lange im Visier der Fahnder. Insgesamt 100 dieser Gefährder, denen in Deutschland Anschläge zugetraut werden, haben die Ermittler unter Beobachtung. Man weiß von 50 Fanatikern, die sich in Terrorcamps haben ausbilden lassen. Ein kleiner Teil von ihnen ist nach Deutschland zurückgekehrt.
Das vermuten die BKA-Ermittler auch von Eric Breininger und Houssain al-Malla, nach denen seit Donnerstag öffentlich gefahndet wird. Sie haben sich von der IJU ausbilden lassen und Anschläge angekündigt. Der Staatssekretär im saarländischen Innenministerium, Gerhard Müllenbach, sagte, Breininger und al-Malla seien wohl auf dem Balkan - mit Ziel Deutschland.
Die beiden zählen zum Umfeld der sogenannten Sauerland-Terrorgruppe, die die Ermittler vor einem Jahr hochgehen ließ. Damals fiel erstmals der Name der Islamischen Dschihad Union. Ihre Anhänger Fritz Gelowicz, Daniel Schneider und Adem Yilmaz mischten im sauerländischen Ort Oberschledorn in einer Garage Sprengsätze, die sie in mehreren deutschen Städten gegen US-Einrichtungen einsetzen wollten. Monatelang war die Gruppe observiert worden, nachdem die Deutschen einen Tipp der US-Geheimdienste bekommen hatten. Das US-Außenministerium hatte die IJU bereits 2005 auf die Liste der ausländischen Terrorgruppen gesetzt, nachdem diese unter anderem Anschläge auf die israelische und US-Botschaft in Usbekistan begangen hatte.
Auch der vor einer Woche festgenommene Türke Hüseyin Ö. und der Deutschafghane Omid S. hatten Kontakt zu der Sauerlandgruppe. Sie wohnten in Frankfurt neben Adem Yilmaz, der ihnen den Kontakt zur IJU vermittelte. Hüseyin O. und Omid S. wollten die Terrorgruppe mit Technik ausrüsten. Wie viele Anhänger der Sauerland-Gruppe und damit mutmaßliche Attentäter noch frei herumlaufen, ist ungewiss. Auch das hatte Ziercke gesagt: Es sei noch nicht gelungen, die Festplatten so weit auszuwerten, dass alle Verdächtigen identifiziert werden konnten.




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