Studie: Ausländer- und Demokratiefeindlichkeit weit verbreitet
Rechtes Gedankengut kommt aus der Mitte
Der Nährboden für rechtes Gedankengut liegt in der Mitte der deutschen Gesellschaft. Kennzeichen sind Ausländerfeindlichkeit, autoritäre Denkstrukturen, Politikverdrossenheit und Geringschätzung des demokratischen Systems.
Berlin/Leipzig. Der Nährboden für rechtes Gedankengut liegt in der Mitte der deutschen Gesellschaft. Kennzeichen sind Ausländerfeindlichkeit, autoritäre Denkstrukturen, Politikverdrossenheit und Geringschätzung des demokratischen Systems. Das bestätigte die Untersuchung "Ein Blick in die Mitte", die im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung von Forschern der Universität Leipzig durchgeführt und gestern in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie knüpft an eine repräsentative Umfrage von 2006 an. Von den damals 5000 Befragten hatten sich 50 Prozent im Westen und 75 Prozent im Osten unzufrieden über die Demokratie geäußert. Für die Folgestudie führten die Wissenschaftler vertiefende Gruppendiskussionen mit 150 der Befragten.
Rechtes bis rechtsextremes Gedankengut fanden die Forscher in allen sozialen Bildungs- und Berufsgruppen. "Immer dann, wenn der Wohlstand als Plombe bröckelt, steigen aus dem Hohlraum wieder antidemokratische Traditionen auf", sagten die Verfasser Elmar Brähler und Oliver Decker von der Uni Leipzig. "Erschreckend war für uns, wie gern die Befragten auch die bescheidenste Demokratie gegen autoritäre Strukturen eintauschen würden." Viele der jungen Befragten wünschten sich "irgendeinen Führer". Teilnehmer mittleren Alters meinten resigniert, Politik sei nur Lug und Trug. Die Älteren idealisierten die "klaren Regeln" ihrer Jugend - im Osten in der DDR, im Westen sogar in der Nazizeit.
Für die meisten der Befragten sei Demokratie eine elitär betriebene Sache, die Menschen fühlten sich nur als Objekte, Wahlen seien unbedeutend. Demokratie werde nur geschätzt, wenn sie Wohlstand bringe.
Am gravierendsten sei die Ausländerfeindlichkeit vertreten. Sie sei quasi die "Einstiegsdroge" in rechtsextremes Gedankengut.
Als Konsequenzen fordern die Autoren unter anderem eine weitere Demokratisierung von Institutionen, Schulen oder Betrieben und mehr gesellschaftliche Mitbestimmung.



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