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Deutschland

"Wir brauchen mehr Türkisch-Unterricht an den Schulen"

ABENDBLATT: Unterstützen Sie den Vorschlag, in Deutschland mehr türkisch zu unterrichten und Lehrer aus der Türkei zu entsenden?

KENAN KOLAT: Es ist sinnvoll, an deutschen Schulen mehr Angebote für türkisch zu schaffen. Türkisch muss an deutschen Schulen den Stellenwert von Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch bekommen. Wir halten das auch aus wirtschaftlicher Sicht für wichtig. Es gibt über 3700 deutsche Firmen, die in der Türkei investieren und händeringend nach dreisprachigem Personal (türkisch, deutsch, englisch) suchen. Vom Grundsatz her ist deshalb der Vorschlag von Erdogan richtig. Man muss sehen, wie es umgesetzt wird. Ob die Lehrer aus der Türkei kommen müssen ist etwa eine andere Frage. Ich würde lieber Lehrer einsetzen, die in Deutschland sozialisiert wurden.

ABENDBLATT: Warum?

KOLAT: Türkische Lehrer sind für türkische Kinder in der Türkei ausgebildet. Sie kennen die Situation hier nicht. In Deutschland gibt es genügend Studienmöglichkeiten für Türkischlehrer.

ABENDBLATT: In Deutschland wird bei der Integration gerade viel Wert auf das Erlernen der deutschen Sprache gelegt. Nun wird gefordert, sie sollten erst mal richtig ihre Muttersprache lernen, damit sie dann besser Deutsch lernen können.

KOLAT: Das eine schließt das andere nicht aus. Natürlich muss jedes Kind, das in Deutschland aufwächst Deutsch lernen können. Da gibt es keine Diskussion. Aber es gibt wissenschaftliche Theorien, die besagen, wer seine Muttersprache beherrscht, kann auch sehr schnell andere Sprachen lernen. Für uns gilt: Kinder sollten, wenn sie wollen, auch türkisch in der Schule lernen. Die Schulen könnten mehr zweisprachige Angebote machen.

ABENDBLATT: Sie selbst sitzen in Gremien zur Integration. Wie glauben Sie, wird der Vorschlag von Erdogan dort ankommen?

KOLAT: Ich sehe jetzt eine große Diskussion kommen. Aber in den Integrationsplänen wird immer von Mehrsprachigkeit als Gewinn gesprochen. Ich weiß nicht, ob man damit nur Englisch und Französisch meint oder auch die Sprachen der Migranten einbezieht.

ABENDBLATT: Werden Sie in Köln beim Auftritt von Erdogan sein?

KOLAT: Ich werde nicht da sein können.

ABENDBLATT: Was bezweckt er damit?

KOLAT: Er will wahrscheinlich zeigen, dass er der große Ministerpräsident der Türkei ist.

 

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