Erster deutscher Politiker schließt Einsatz nicht aus. Ex-Generalinspekteur: Schritt, den wir tun müssen.

BERLIN/WASHINGTON. Nato und USA erhöhen gemeinsam ihren Druck auf Deutschland, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan doch noch zu erweitern und auch im blutig umkämpften Süden des Landes aktiv zu werden. Nach US-Verteidigungsminister Robert Gates machte sich auch Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer trotz massiver Widerstände der Bundesregierung für zusätzliche Einsatzgebiete stark.

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"Deutschland leistet als Führungsnation im Norden vorbildliche Arbeit. Aus meiner Sicht könnte die Internationale Schutztruppe natürlich auch anderswo in Afghanistan mehr davon gebrauchen", sagte de Hoop Scheffer der "Bild am Sonntag". Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wies jedoch Forderungen nach einem Engagement der Bundeswehr im umkämpften Süden Afghanistans zurück. "Es wäre ein großer Fehler, den Norden, der halb so groß ist wie Deutschland, zu vernachlässigen, dort Truppen abzuziehen oder etwa durch verschiedene Regionen rotieren zu lassen", sagte Jung der "Welt am Sonntag". Und FDP-Chef Guido Westerwelle meinte: "De Hoop Scheffer ist Generalsekretär des gesamten Nato-Bündnisses und nicht Sekretär des amerikanischen Verteidigungsministers."

Parteiübergreifend war am Freitag schon die entsprechende US-Anforderung in Deutschland auf Empörung und Ablehnung gestoßen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und führende Regierungspolitiker wiesen die Aufforderung der USA strikt zurück, Soldaten für Kampfeinsätze im Süden Afghanistans zur Verfügung zu stellen. Auch der Tonfall des Briefes von US-Verteidigungsminister Gates wurde kritisiert. Gates hatte darin unter anderem von einem "Versagen" der Verbündeten gesprochen.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sagte im Deutschlandradio, der Ton des Schreibens von Gates sei "schroff" und verkenne, dass Deutschland schon jetzt "an der Spitze liegt mit dem Engagement in Afghanistan".

Der Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, Karsten Voigt, schließt einen Einsatz der Bundeswehr im Süden Afghanistans dagegen nicht aus. Voigt sagte im ARD-"Bericht aus Berlin": "Wir sollten uns auf solche Eventualitäten vorbereiten, nicht weil wir so etwas wollen, sondern weil es Extremsituationen geben kann, wo wir nicht darum herumkommen."

Auch der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, geht davon aus, dass deutsche Kampftruppen im Süden unausweichlich sind. Der Einsatz von Bundeswehr-Kampftruppen dort sei "ein Schritt, der noch zu tun ist von unserer Seite und den wir tun müssen und tun werden", sagte er in derselben Sendung.

Als "ärgerlich" wies Verteidigungsminister Jung Kritik an der Ausrüstung der Bundeswehr zurück, die angeblich zu schlecht für den Einsatz einer schnellen Eingreiftruppe ist. "Ich schicke keinen Soldaten in einen so riskanten Einsatz, wie es in Afghanistan der Fall ist, wenn er nicht gut ausgerüstet und ausgebildet ist", sagte Jung der "Welt am Sonntag".dpa, Fra