Gesundheit: Klusen kritisiert Reformen und auch den Senat
Kassenchef fordert mehr Wettbewerb
HAMBURG. Dass der Mann ein gewichtiges Wort in der Gesundheitspolitik zu sprechen hat, war längst über die Stadtgrenzen Hamburgs hinaus bekannt. Doch die feine und derbe Ironie zählte bislang niemand zu Prof. Norbert Klusens verbalem Arsenal. Aber der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse hat genug von der Gesundheitsreform, kaum dass sie ein halbes Jahr wirkt. "Warum wird eigentlich ständig so viel Mist mit einer Reform gemacht, dass die nächste schon wieder kommen muss?"
Vor dem Wirtschaftsrat der CDU rückte der Kassenchef die Verhältnisse aus seiner Sicht gerade. Hier politische Absichten und Wortgeklingel, dort die Realität: Webfehler im Finanzsystem, mangelnder Wettbewerb, neue Bürokratie. Aber geredet werde über Nebensächlichkeiten.
Beispiel Piercings und Schönheitsoperationen: Klusen sprach von jungen Frauen, die sich Piercings machen lassen und sie nach einer Weile nicht mehr schön finden. Falls das medizinische Folgen nach sich zieht, müssten Ärzte das melden. Das sei unsinnig. Denn jährlich entstünden in Deutschland dadurch bestenfalls Kosten in Höhe von 200 000 Euro - und das bei einem Volumen von über 140 Milliarden Euro im Gesundheitswesen.
"Das muss man doch unbedingt regeln", sagte Klusen ironisch. "Da wird ein bürokratisches Verfahren aufgebaut. Das ist unsere Kernkompetenz." Dabei gehe es deutschen Patienten im Vergleich mit anderen Ländern gut. "Hightechmedizin steht jedem zur Verfügung."
Auch mit dem Hamburger Senat ging Klusen hart ins Gericht. Der Finanzausgleich unter den Kassen belaste die TK (2500 Mitarbeiter in Hamburg) mit 300 Millionen Euro im Jahr zusätzlich. "Im Ausgleichsystem der Kassen werden die belohnt, die nichts getan haben. Da muss man auch mal eine Kasse Pleite gehen lassen." Von Hamburg hätte er sich in den Reformverhandlungen mehr erhofft. "Da bin ich enttäuscht." Echter Wettbewerb zwischen den Kassen, den Klusen bedingungslos fordert, werde auch der Gesundheitsfonds ab 2009 kaum bringen. Dann setzt die Bundesregierung die Kassenbeiträge fest.



100. Geburtstag
Axel Springer






Branchenbuch Hamburg
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




