Rechtsradikale: 50 Deutsche verprügeln Ausländer
Hetzjagd auf Inder - hat die Polizei versagt?
Die Hetzjagd auf indische Besucher eines Stadtfestes im sächsischen Mügeln hat in ganz Deutschland Bestürzung hervorgerufen. Der Bürgermeister von Mügeln (Sachsen) gibt Vorwarnung zu: "Es gab Andeutungen . . ."
Mügeln. Die Hetzjagd auf indische Besucher eines Stadtfestes im sächsischen Mügeln hat in ganz Deutschland Bestürzung hervorgerufen. Etwa 50 zumeist junge Deutsche hatten die acht Inder in der Nacht zum Sonntag vor sich hergetrieben und verprügelt. Dabei riefen sie immer wieder rechtsradikale Sprüche wie "Ausländer raus". Viele Besucher des Stadtfestes wurden Zeugen der Gewalttätigkeiten, griffen aber nicht ein. 14 Menschen wurden verletzt, unter ihnen alle acht Inder.
War die Hetzjagd verabredet? Mügelns Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP) sagte dem Sender N24, im Vorfeld des Festes habe es "Andeutungen" auf mögliche Probleme gegeben; das habe er der Polizei gemeldet. "Spiegel Online" zufolge soll der Mügelner Jugendklub eine E-Mail aus der rechtsradikalen Szene erhalten haben, die angeblich vor einem Angriff auf dem Altstadtfest warnte. Vorwürfen, die Sicherheitsbehörden hätten versagt, widersprach die Polizei: Es habe "im Vorfeld keinerlei Hinweis auf solch einen Zwischenfall" gegeben. Man gehe "von einer Spontanhandlung aus". Die Ermittlungsgruppe wurde auf 15 Beamte aufgestockt. Auch der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Ermittelt werde wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Sachbeschädigung, sagte eine Sprecherin. Zwei 21 und 23 Jahre alte deutsche Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen, sind aber wieder auf freiem Fuß. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) versprach gestern in Mügeln eine vollständige Aufklärung: "So ein Gewaltexzess ist nicht hinnehmbar!"
Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Übergriffe seien nicht überraschend gekommen. "Ich kann dunkelhäutigen Bürgern nicht mit gutem Gewissen raten, Volksfeste in ostdeutschen Kleinstädten zu besuchen." Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma forderte ein konsequenteres Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden. Das antirassistische Netzwerk Döbeln erklärte, in der Region hätten Überfälle auf Ausländer bei Volksfesten stark zugenommen. "Das war kein Einzelfall."




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