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Deutschland

Nachbarschaftsstreit: Erbittert kämpft ein Häuflein Berliner gegen das Gotteshaus: "Bei uns wohnt doch gar kein Moslem"

"Es ist egal, wo wir planen. Niemand will eine Moschee"

Berlin. Erbittert bekämpft die "Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger" (kurz: Ipahb) den Bau der Moschee an der Tiniusstraße im Norden Berlins. Die kleine Hundertschaft hat alles versucht. Alles vergebens.

Das Bürgerbegehren, für das sie im vergangenen Jahr 6000 Unterschriften sammelte ("Du bist Heinersdorf!"), wurde vom zuständigen Bezirksamt unter dem Hinweis auf die Religionsfreiheit abgeschmettert. Die September-Demonstration schaffte es zwar in die Nachrichten, aber auch nur deshalb, weil sich auch die Rechten angesagt hatten und die Polizei deshalb vorsorglich 500 Beamte schickte. Selbst für die Unterstützung durch den CDU-Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger ("Bitte, Imam, sieh dich nach einem anderen Standort um!") konnten sich die Pankow-Heinersdorfer nichts kaufen: Der Mann verlor die Landtagswahl haushoch und hat seitdem in der Stadt nicht wirklich etwas zu sagen. Zum Jahreswechsel haben die empörten Bürger dann noch eine Lichterkette gebildet - die Grundsteinlegung, die Anfang Januar stattfand, konnten sie dadurch nicht verhindern.

Wer sich zur Tiniusstraße begibt, wo die als friedfertig geltende Ahmadiyya-Gemeinde eine zweistöckige Moschee und ein zwölf Meter hohes Minarett errichten will, wird die helle Aufregung nicht verstehen. Insgesamt ist das eine ziemlich hässliche, gesichtslose Gegend. Das Areal liegt an der riesigen Brache, die ein aufgegebener Rangierbahnhof hinterlassen hat, und einen Steinwurf entfernt fängt bereits die A 114 an. Die ersten Wohnhäuser liegen ein ganzes Stück entfernt, wirklich benachbart sind nur der "Zack"-Baumarkt und die Kleingartenkolonie "Feuchter Winkel".

Die Pankow-Heinersdorfer wollen den Vorwurf der Intoleranz nicht auf sich sitzen lassen. Sie hätten, sagen sie, ja gar nichts gegen die Muslime. Sie könnten nur nicht verstehen, warum die Moschee ausgerechnet bei ihnen gebaut werden solle, wo es keinen Einzigen gebe. "Warum", fragt der Ipahb-Vorsitzende Joachim Swietlik, "bauen die nicht da, wo die Gemeinde ihr Zentrum hat? In Reinickendorf?"

Tatsächlich haben 200 Mitglieder der Berliner Ahmadiyya-Gemeinde ihr Gemeindehaus derzeit noch im ehemaligen Westberlin. Untergebracht in einem ganz normalen Wohnhaus, ist es inzwischen aber zu klein geworden. Und der Grundstückspreis für die abgewickelte Sauerkrautfabrik in Pankow-Heinersdorf ist unschlagbar niedrig gewesen. Heinersdorf mit seinen 6500 Einwohnern ist ehemaliges Ostberlin. Davon abgesehen, sagt Abudallah Uwe Wagishauser, der Chef der deutschen Ahmadis, sei es doch völlig egal, wo man einen Neubau plane: "Niemand möchte eine Moschee in seiner Umgebung." Protestaktionen, wie man sie in München-Sendling, Frankfurt-Rüdelheim, Köln-Ehrenfeld oder Hamburg-Harburg erlebte, scheinen Wagishauser recht zu geben.

Jetzt also Berlin-Pankow. Und hier wollen die Ahmadis, die eine Ein-Prozent-Minderheit unter den drei Millionen Muslimen bilden, die es in Deutschland gibt, nicht nachgeben. Niemand, beteuert Imam Abdul Basit Tariq unermüdlich, müsse Angst vor den Ahmadis haben. Tariq, in Pakistan geboren, lebt seit 1982 in Deutschland, seit zehn Jahren hat er die deutsche Staatsbürgerschaft. Er predigt auch auf Deutsch. Jeden Freitag. Jeder kann also verstehen, was er sagt. Aber Abdul Basit Tariq gibt heute auch zu, dass seine Gemeinde einiges hätte anders machen können. "Wir hätten", sagt der Mann aus Islamabad, "stärker auf die Heinersdorfer zugehen müssen."

Zurzeit ist es an der Tiniusstraße wieder ruhig. Wer zum Bauplatz will, braucht wegen des Matsches Gummistiefel, immerhin weiß man jetzt, warum der "Feuchte Winkel" "Feuchter Winkel" heißt. Vom Baubeginn, der für Februar angekündigt war, ist weit und breit nichts zu sehen.

 

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