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Deutschland

Altersvorsorge: Viele junge Deutsche ratlos

Angst vor zu wenig Rente: Jeder Fünfte will auswandern

Umfrage zeigt: Immer mehr Menschen zweifeln am staatlichen Rentensystem, aber immer weniger sorgen privat vor. In Deutschland wächst die Angst vor Armut im Alter - vor allem bei jungen Leuten. Nach einer neuen repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag der Postbank erwägt gut jeder fünfte Berufstätige unter 30 Jahren sogar, bei zu wenig Rente in billigere Länder auszuwandern.

Hamburg. In Deutschland wächst die Angst vor Armut im Alter - vor allem bei jungen Leuten. Nach einer neuen repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag der Postbank erwägt gut jeder fünfte Berufstätige unter 30 Jahren sogar, bei zu wenig Rente in billigere Länder auszuwandern. Insgesamt rechnet fast jeder sechste Bundesbürger damit, im Alter zu verarmen und seinen Lebensunterhalt nicht mehr selbst bestreiten zu können. Besonders weit verbreitet ist diese Sorge unter Frauen, Ostdeutschen und jungen Berufstätigen unter 30 Jahren.

Grundsätzlich kein Vertrauen mehr in die Stabilität des staatlichen Rentensystems hat inzwischen jeder dritte Deutsche. Dennoch gilt das System für 70 Prozent im Prinzip immer noch als ideale Form der Alterssicherung.

44 Prozent der 2077 Befragten halten ihre eigene bisherige Altersvorsorge für nicht ausreichend. Dennoch wollen immer weniger Bürger die privaten Vorsorgemaßnahmen entsprechend aufstocken. Nur noch jeder Dritte plant etwa eine private Rentenversicherung. Die Bereitschaft dazu ist seit dem Jahr 2005 um einen Prozentpunkt gesunken, seit 2003 sogar um fünf Prozentpunkte. Zudem sparen die Deutschen immer weniger für das Alter. 198 Euro monatlich sind es im Schnitt. Ein Jahr zuvor lag der Durchschnittswert noch bei 204 Euro.

"Unsichere und befristete Arbeitsverhältnisse machen es vielen Bundesbürgern heute schwer, in ausreichendem Maß für das Alter privat vorzusorgen", erklärt Stefanie Wahl, Geschäftsführerin am Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG), das paradoxe Verhalten der Deutschen. Deshalb müssten die Vorsorgeangebote deutlich flexibler werden, sagte sie dem Abendblatt.

Daneben müsse aber auch die Einsicht wachsen, dass die private Vorsorge unabdingbar sei. "Viele Deutsche leben lieber in der Gegenwart, als fürs Alter zu sparen", so die Forscherin.

Um die finanziellen Lücken im Alter auszugleichen, würden laut der Allensbach-Umfrage 68 Prozent einen Nebenjob annehmen und 38 Prozent auch über die gesetzliche Altersgrenze hinaus arbeiten - oder aber in ein Land mit niedrigeren Lebenshaltungskosten auswandern. Für Letzteres sprachen sich knapp 22 Prozent der unter 30-Jährigen aus. "Da machen sich die Leute aber etwas vor", sagt Forscherin Wahl. "Wer weiß heute schon, ob es sich in 30 Jahren im Ausland tatsächlich günstiger und angenehmer als in Deutschland leben lässt?"

 

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