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Deutschland

Dezember: Niedrigster Anstieg der Erwerbslosenzahl in der BA-Geschichte

Der Arbeitsmarkt ist stabil wie nie

Bundesagentur-für Arbeit-Chef Weise glaubt, dass künftig auch Langzeitarbeitslose und Ältere von der guten Lage auf dem Markt profitieren werden.

NÜRNBERG/BERLIN. Ausgerechnet der im Arbeitsmarkt üblicherweise eingetrübte Monat Dezember bringt Hoffnung für das Jahr 2007. Überraschend gute Arbeitslosenzahlen nähren die Prognose, dass über das neue Jahr gesehen 200 000 Menschen mehr einen festen Job bekommen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) und ihr Chef Frank-Jürgen Weise machen die gute Konjunktur und das milde Wetter für den Trend verantwortlich. Nach BA-Angaben stieg die Zahl der Erwerbslosen um lediglich 12 000 auf 4 008 000. Das ist der geringste Dezember-Anstieg in der Geschichte der BA. Die Arbeitslosenquote verharrte im Monatsvergleich bei 9,6 Prozent.

BA-Chef Weise sagte, im Jahresdurchschnitt sei die Zahl der Erwerbstätigen nach vorläufigen Zahlen um 258 000 oder 0,7 Prozent auf 39,08 Millionen gestiegen. Bei Stellen mit voller Sozialversicherungspflicht habe im Februar 2006 der seit fünf Jahren anhaltende Stellenabbau gebremst und umgekehrt werden können. Im Juni 2006 hatte die Zahl solcher regulären Arbeitsplätze um 176 000 oder 0,7 Prozent höher gelegen als im Jahr davor. "Viel wird davon abhängen, wie stark die Wirtschaft 2007 wächst", sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.

Im Schatten der guten Arbeitsmarktentwicklung standen die Langzeitarbeitslosen. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen habe deutlich von 36 auf 42 Prozent zugenommen, heißt es im aktuellen BA-Arbeitsmarktbericht. Daran hat offenbar auch der verstärkte Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen nichts geändert. Die Zahl von Fort- und Weiterbildungen und Trainingsprogrammen sei 2006 um 47 000 auf 1,108 Millionen gestiegen. Im Osten kämen auf 100 Arbeitslose 29 Teilnehmer, im Westen 23.

Weise geht davon aus, dass von der anhaltend guten Lage auf dem Arbeitsmarkt künftig verstärkt auch Langzeitarbeitslose und ältere Jobsucher profitieren werden. Die Zahl der offenen Stellen lag Mitte Dezember bei 592 000 Jobs, 17 000 weniger als im November, aber 197 000 mehr als vor einem Jahr. Drei Viertel davon seien Stellen in der freien Wirtschaft, rund die Hälfte davon bei Zeitarbeitsunternehmen.

Arbeitsminister Franz Müntefering versprach: "2007 hält die Bundesregierung klaren Kurs und macht Tempo." Er warnte aber davor, den Kündigungsschutz anzutasten. "Deutschland hat in den letzten zwölf Monaten unter der unionsgeführten Bundesregierung den richtigen Weg eingeschlagen", erklärte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. "Die aktuelle Entwicklung ist auch ein Ergebnis sozialdemokratischer Regierungspolitik der letzten acht Jahre", konterte sein SPD-Kollege Hubertus Heil. Der Arbeitgeberverband BDA forderte Reformen hin zu einer Senkung der Lohnnebenkosten. Einen "dritten" Arbeitsmarkt für chancenlose Langzeitarbeitslose lehnte die BDA ab. Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte mehr Investitionen des Staates und Mindestlöhne.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, kalauerte: "Bleibt der Schnee im Winter oben, lässt sich Münte dafür loben." Der Wetterfrosch sei Arbeitsminister geworden.AP, dpa, HA, rtr

 

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