Bischöfin verteidigt von der Leyen
Bündnis für Erziehung: Ministerin plane keinen Kreuzzug, sondern ein Gespräch. Wissenschaftler und Philosophen sehen nicht Religion, sondern Vernunft als Basis der Werte.
HILDESHEIM/BERLIN. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Kritik an Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) zurückgewiesen. Es sei sehr problematisch, das "Bündnis für Erziehung" als Kreuzzug zu bezeichnen, wie es "Der Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe getan habe, sagte Käßmann am Montag in einem Interview im Deutschlandradio. Das Bündnis solle zeigen, daß Erziehung ein zentrales Thema sei, das bis jetzt als "Gedöns, Frauensache oder irgendwo in der Ecke stehend" abgetan worden sei.
In der vergangenen Woche hatte die Bundesfamilienministerin mit Margot Käßmann und dem Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky ein "Bündnis für Erziehung" ins Leben gerufen. Andere Religionsgemeinschaften und Verbände hatten kritisiert, daß sie nicht daran beteiligt wurden. Käßmann sagte, sie halte die Reaktionen für überzogen. Die Kirchen seien mit 20 000 Kindertagesstätten und der Betreuung von 1,2 Millionen Kindern der größte freie Träger.
Es sei deshalb in Ordnung, die Diskussion über eine Frühförderung mit den Kirchen zu beginnen: Sie könne verstehen, wenn andere auch eingeladen werden wollten, so Käßmann. Das Ministerium habe dies im weiteren Verlauf auch geplant. "Ich habe den Eindruck, wenn eine Ministerin sich als Christin outet, dann hat das geradezu panikartige Reflexe zufolge", sagte Käßmann. Jedes andere Outing sei dagegen offenbar legitim.
Die Bischöfin betonte, daß die Kirchen mit der Trennung von Kirche und Staat sehr zufrieden seien und sich klar dazu bekennten. Sie halte es jedoch für richtig, sie beim Thema Erziehung mit ins Gespräch zu ziehen: "50 Millionen Menschen in diesem Land gehören einer christlichen Kirche an, und ich denke, sie dürfen doch auch mal dazu stehen und sagen, Gottvertrauen und Nächstenliebe sind nicht die schlechtesten Grundlagen für die Erziehung und ein Menschenbild, das jedem die gleiche Würde zuspricht."
Die Giordano-Bruno-Stiftung, der zahlreiche renommierte Wissenschaftler, Philosophen und Künstler angehören, hat anläßlich der Vorstellung des "Bündnisses für Erziehung" eine Online-Petition gegen die religiöse Fundierung von Bildung und Erziehung gestartet. Der Stiftungsvorstand hielt diesen Schritt für notwendig, weil in der Berichterstattung über die Initiative der Familienministerin "entscheidende Argumente bislang sträflich vernachlässigt wurden". Dazu zählt nach Ansicht der Stiftung unter anderem die aufklärerische Vernunft. Sie sei Quelle und Basis der Werte, nicht die religiöse Offenbarung.
Zwar sei es richtig, in Deutschland eine Wertediskussion zu führen, so die Stiftung, doch sei mit der bislang gewählten Strategie der "Bock zum Gärtner" gemacht worden.




100. Geburtstag
Axel Springer






Branchenbuch Hamburg
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




