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Deutschland

Warum prügeln so viele Männer auf eine siebenfache Mutter ein?

Ansichtssache

Was nur ist plötzlich in die deutschen Männer gefahren? Warum, das frage ich mich schon, seit diese blonde, zierliche Frau Familienministerin ist, prügeln sie derart auf Ursula von der Leyen ein?

Renommierte Zeitungen und Zeitschriften unterstellen ihr wie einst im Mittelalter einen Kreuzzug für Kinder, Kirche und Karriere. Die Mutter von sieben Kindern sei "die ungeliebte Mutter der Nation" ist da noch richtig harmlos. Da wird das von ihr geforderte Elterngeld mit dem Mutterorden verglichen. Nicht Gegner, nein auch Parteifreunde gehen auf die Barrikaden und meinen, sich mit solchen Sätzen wehren zu müssen wie: "Ich lasse mir vom Staat nicht vorschreiben, ob meine Frau oder ich Erziehungsarbeit machen sollen", so der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU). Und der familienpolitische Sprecher der CSU, Johannes Singhammer, wittert gar eine "heimtückische Kürzung des Elterngeldes für alle", die Partnermonate nicht akzeptieren. Können hier die Herren nicht mehr unterscheiden zwischen Sach-Politik und Emotionen, die sie anscheinend beim Anblick der attraktiven Ministerin überkommen?

Zum Elterngeld: Ab 2007 will die Bundesregierung einkommensabhängig das Elterngeld für ein Jahr einführen. Zwei Monate sind davon für Väter reserviert, wenn sie denn diese Zeit einbringen können und wollen. In Schweden folgte auf die Einführung des Elterngeldes ein Babyboom, die Zahl der Väter, die sich im Vaterschaftsurlaub um ihre Kinder kümmern, stieg auf 19 Prozent. In Deutschland sind es fünf Prozent der Väter, die sich dem Gedanken annähern wollen.

Aber anstatt mit Argumenten zu fechten, werfen der Ministerin ihre Gegner ein "stählernes Lächeln" vor, wovon Wirtschaftsminister Michael Glos "nur träumen könne". Noch vor ihrem Amtsantritt konfrontiert sie der Moderator Frank Plasberg in "Hart, aber fair" mit der Frage, ob sie sich schon entschieden habe, entweder eine schlechte Ministerin oder eine schlechte Mutter zu werden. Meine Herren - welches bitte ist denn Ihr Mutterbild?

Wer Ursula von der Leyen fragt, ihr zuhört, erfährt, daß sie oft hin- und hergerissen ist in ihrem Leben zwischen Kindern und Beruf. Sie räumt offen ein permanentes schlechtes Gewissen ein und erzählt von den frühen Anfeindungen als Ärztin, wenn sie wieder in der Klinik ihren Job antrat. Daß sie trotzdem diesen Weg geht, ist für alle Frauen in diesem Land ein Signal. Egal, welch politischer Couleur.

Das Gerücht, sie habe viel Geld und könne sich darum Personal leisten, ist auch so eine unterschwellige Gemeinheit. Wenn beide arbeiten, dann ist natürlich mehr Geld vorhanden. Das fließt in eine Haushaltshilfe - und nachmittags in eine Hausaufgaben-Betreuung. Na und? 87 Prozent aller Französinnen mit mindestens zwei Kindern haben so ihr Leben zwischen Beruf und Familie organisiert. Ohne schlechtes Gewissen. Und ohne die Diskriminierung der Gesellschaft.

Ob es sehr glücklich war, in der Bundespressekonferenz die Vertreter der beiden großen Kirchen in einem Bündnis für Erziehung an ihrer Seite zu präsentieren ohne die anderen Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen - das mag dahingestellt sein. Denn aus gutem Grund sind in Deutschland Kirche und Staat strikt getrennt. Aber die Ministerin dann gleich mit dem rechtsextremen Franzosen Le Pen zu vergleichen ist bodenlos.

Um noch eins draufzusetzen, heißt es dann noch unterschwellig: Auch die Kanzlerin fühle sich inzwischen "gestört" von ihrer Ministerin. Die Männer aller Parteien seien schlicht und einfach nur noch "genervt" von ihr.

Als Ursula von der Leyen am vergangenen Wochenende in der "Bild am Sonntag" dann auch noch ein Kindergarten-Pflichtjahr fordert, "treffe ihr Vorstoß auf eine Front der Ablehnung". So die Unterzeile zu diesem Artikel. Wer dann weiterliest, entdeckt, daß es dafür auch ganz viel Zustimmung gibt. Ganz zu schweigen davon, daß es unbestritten vernünftig ist, wenn alle Kinder vor dem Schuleintritt Sprache und soziales Verhalten einüben. Am besten eben im Kindergarten.

Hier läuft eine Kampagne gegen eine engagierte Frau, die als Familienministerin mit Kindern genau weiß, woran es in diesem Lande hakt. Ihr Ziel ist simpel: Sie will einfach nur das für Frauen erreichen, was in Deutschland alle Männer längst und immer schon können: Sie haben einen Beruf, und sie haben eine Familie. Ich würde mir wünschen, daß genau diese Männer, die jetzt auf Ursula von der Leyen einprügeln, zurückkehren zur Sachdiskussion. Das steht uns allemal besser an.

Damit in diesem Deutschland eines Tages auch Frauen ohne Druck entscheiden können: Beruf, Kinder, Familie - oder alles einfach nur zu seiner Zeit.

 

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