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Deutschland

Fußball-WM: Mercedes-Busse dürfen nur mit Hyundai-Aufklebern fahren . . .

  • Ein erhebliches Problem bereitet die Stellung Hyundais, offizieller Autoausrüster der WM. Die koreanische Firma stellt zwar Busse her, importiert diese jedoch nicht nach Europa. Zum Einsatz kommen nun Mercedes-Busse mit Hyundai-Aufklebern. Die wirkliche Herkunftsangabe soll verdeckt, der Stern aus dem Lenkrad montiert werden.

  • Der Ölmulti Shell und der Reise-Riese TUI dürfen nicht bei Fan-Festen in den Städten als lokale Sponsoren auftreten. Die Fifa lehnte das in diesen Tagen ab. Geschäftsbereiche der beiden Unternehmen würden sich mit den Fifa-Partnern EnBW (Energieversorger) und Emirates (Fluglinie) überschneiden. Das erschwert den Kommunen die Refinanzierung ihrer Veranstaltungen erheblich. Gleiches gilt für den offiziellen Hamburger Fan-Guide (Auflage: 400 000). Die Fifa erlaubt nur Anzeigen ihrer Partner. Die wiederum haben ihre Budgets inzwischen verplant. Auf den Kosten droht nun die Hamburg Marketing GmbH sitzenzubleiben.

  • Der Imbiß Picknick am Hellgrundweg 2 neben der AOL-Arena soll auf Empfehlung der Stadt die Werbung seines langjährigen Bierlieferanten abhängen, um Unannehmlichkeiten mit der Fifa zu vermeiden. Nur Budweiser und Bitburger sind gestattet.

  • Die private Color-Line-Arena darf ihren Betrieb zum Verdruß der Fifa aufrechterhalten, nur an den fünf Spieltagen sind Veranstaltungen untersagt. Der Kompromiß wurde nach zähen Diskussionen gefunden, in die sich Vertreter der Stadt einschalten mußten. "Die Fifa hätte die Color-Line-Arena am liebsten weggesprengt", berichtete ein Teilnehmer der Gespräche.

  • Die berühmte Waldbühne in der Nachbarschaft des Berliner Olympiastadions wurde aufgefordert, in den Tagen vor und nach den Berliner WM-Spielen ihre Vorstellungen abzusagen. Die Verhandlungen laufen.

    Das Prinzip all dieser Maßnahmen ist klar: Wer hohe Millionensummen für exklusive Werberechte zahlt, muß vor Wilderern geschützt werden. Schon 2002 schritt der Weltverband vor und während der WM in Japan und Südkorea rigoros gegen das sogenannte Ambush-Marketing ein. In 88 Ländern ließ er 3 124 976 Artikel konfiszieren.

    Zwar gelingt es den Fifa-Hütern, 90 Prozent der strittigen Fälle in beiderseitigem Einvernehmen zu klären, doch munitionieren sich inzwischen hartnäckige Widersacher. Wie Ferrero, das nicht einsehen will, warum seinen Schokowaffeln Hanuta und Duplo nicht wie seit 1982 üblich Sammelbilder mit der Aufschrift "WM 2006" beigelegt werden dürfen. Der 1. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe will am 27. April in letzter Instanz den Widerspruch des Weltverbandes gegen ein Urteil des Bundespatentgerichts verhandeln. Das hatte 2005 der Schokofirma teilweise recht gegeben.

    Ein sensibles Feld sind die Exklusivrechte der 15 internationalen Fifa-Partner und der sechs nationalen Förderer. Ihnen gewährt die Fifa Markenschutz, vor allem in der Bannmeile rund um die zwölf WM-Stadien. Das bringt die Städte bei der Veranstaltungsfinanzierung in Schwierigkeiten und führt teilweise zu skurrilen Verrenkungen.

    Dabei wird der Grundsatz des Sponsorenschutzes von Konkurrenzfirmen wie Werbeagenturen akzeptiert. "Jeder will jetzt auf der WM-Welle mitsurfen", sagte Andre Kemper von der Agentur Kempertrautmann zum Abendblatt. "Da muß es härteste Regeln geben, sonst gibt es schnell Tausende von Ausnahmen." Kemper nutzte eine Nische und kreierte für seinen Kunden Media-Markt Werbebotschaften mit nicht geschützten Begriffen. So entstanden die Slogans "Wir holen den Titel" und "Beste Elf aller Zeiten". Fortsetzung folgt.

    Sich nicht von der Fifa abschrecken zu lassen, das rät der Hamburger Anwalt Dr. Gerald Neben von der Kanzlei Lovells. Der Fußballweltverband, so Neben, bewege sich "in Deutschland rechtlich auf dünnem Eis". Winfried Hermann, sportpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, kündigt an: "Nach der WM ist eine Debatte über den Anspruch der Fifa und deren Sponsoren fällig, die zu weitgehend in bestehende Rechte eingreifen."

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