Ärzte-Präsident warnt vor "Euthanasie-Praxis"
FRANKFURT/MAIN. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hat das Jahr 2005 als Wendepunkt in der öffentlichen Sterbehilfe-Diskussion in Deutschland bezeichnet. Er warnte vor einer Entwicklung hin zu "einer Euthanasie-Praxis wie in den Niederlanden und Belgien", wo Tötung auf Verlangen legal praktiziert werden darf. Hoppe kritisierte besonders die Forderung des Hamburger Justizsenators Roger Kusch, auch in Deutschland das Verbot aktiver Sterbehilfe abzuschaffen. Ein derartiges öffentliches Eintreten hätte er noch vor einem Jahr nicht für möglich gehalten, sagte der Präsident der Bundesärztekammer.
Hoppe rief zugleich zu einer offenen Debatte über den Stellenwert der Patientenverfügungen auf. Diese könnten zwar eine wesentliche Hilfe für den Arzt sein; "sie entbinden den Arzt aber nicht davon, den mutmaßlichen Willen aus den Gesamtumständen zu ermitteln", betonte er. Anhaltspunkte dafür könnten neben früheren Äußerungen die Lebenseinstellung des Betroffenen sein.
Auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, sprach sich entschieden gegen eine Abschwächung des strikten Verbots der aktiven Sterbehilfe aus. Diese sei nach deutschem Recht verboten und werde als Totschlag oder Tötung auf Verlangen bestraft, sagte Papier der "Leipziger Volkszeitung": "Das Tötungstabu darf in unserer Gesellschaft nicht durchbrochen werden. Aber genau das könnte die Konsequenz einer Legalisierung der aktiven Sterbehilfe sein." Laut Papier bestünde nicht nur die Gefahr eines Dammbruchs, sondern auch die des Mißbrauchs und des Drucks auf Patienten und Ärzte.
Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen warnte ebenfalls eindringlich vor allen Bestrebungen, Sterbehilfe zu erlauben. Willentliche Euthanasie sei Mord und ein schwerer Verstoß gegen die Würde des Menschen und gegen die Ehrfurcht vor Gott. Der Bischof sprach in seiner Silvesterpredigt von einem tragischen Irrtum der Sterbehilfebefürworter, da es sehr wohl eine Alternative gebe: "Statt das Töten eines schwerkranken Menschen zur Therapie zu erheben - die umfassende Zuwendung als Antwort auf den Schrei nach Hilfe bei der letzten Etappe des Lebens."



100. Geburtstag
Axel Springer






Branchenbuch Hamburg
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




