Aktive Sterbehilfe: CDU-Führung geht auf Distanz zu Kusch
"Einzelmeinung": Die Union, aber auch FDP, Grüne und SPD lehnen Tötung auf Verlangen ab
HAMBURG. Die CDU-Führung hat sich deutlich vom Vorstoß des Hamburger Justizsenators Roger Kusch zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe distanziert. Die Partei lehne "die aktive Sterbehilfe kategorisch ab", machte CDU-Generalsekretär Volker Kauder gestern klar: "Wir wollen Hilfe beim Sterben, nicht Hilfe zum Sterben." Jedes menschliche Leben sei ein einzigartiges Gut und Teil der göttlichen Schöpfung, welches es zu bewahren gelte.
Der Hamburger Justizsenator hatte als erster führender Unionspolitiker dafür plädiert, daß Tötung auf Verlangen bei unheilbar Kranken, die nicht mehr weiterleben wollen, straffrei sein sollte. Auch andere CDU Politiker lehnen den Vorstoß von Kusch ab. "Das ist eine absolute Einzelmeinung. Herr Kusch steht damit alleine", sagte der Bioethik-Experte der Unionsfraktion im Bundestag, Thomas Rachel. Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU), der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP) und der Grünen-Politiker Volker Beck äußerten sich ebenfalls ablehnend.
Heftige Reaktionen löste Kusch auch bei Hilfsorganisationen aus. "Herr Kusch fordert mit Pseudo-Barmherzigkeit eine Kultur des Todes", sagte die Vizepräsidentin des Malteser Hilfsdienstes, Elisabeth Freifrau von Spies. Angesichts der steigenden Kosten im Gesundheitswesen äußerte sie die Befürchtung, daß aktive Sterbehilfe zur Pflicht werden könnte. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz betonte, wer Tötung auf Verlagen fordere, habe sich mit Sterbenskranken zuwenig auseinandergesetzt.
Kusch verteidigte indes erneut seine Forderung. "Es gibt viele Mitglieder in der CDU, die mit Sicherheit meine Meinung teilen", wird er in der "Hamburger Morgenpost" zitiert. Es handle sich bei seiner Auffassung um eine Gewissensentscheidung, für die er Respekt erwarte. Der Politiker hofft nach eigenem Bekunden, daß sich sein Vorstoß durchsetzen wird: "Wir stehen in diesen Tagen am Beginn eines Prozesses. Allein schon das ist positiv. Es geht ums Nachdenken." Unterstützt wird er darin von der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben. Die Bevölkerung müsse am Diskussionsprozeß beteiligt werden, hieß es.



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